DRESDEN - Dresden/dpa Eine Fledermaus hat vier Tage vor dem geplanten Baubeginn die ersten Arbeiten zur umstrittenen Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal vorerst gestoppt. Das Dresdner Verwaltungsgericht sieht nach einer Entscheidung vom Donnerstag die Belange der vom Aussterben bedrohten Kleinen Hufeisennase bei der Brückenplanung nicht ausreichend berücksichtigt. Das Gericht gab damit einem Antrag mehrerer Naturschutzverbände statt. Umweltschützer sehen durch den Brückenbau den Lebensraum der Fledermausart im Elbtal gefährdet.

Es müssten strengere Maßstäbe an naturschutzrechtliche Prüfungen im Planfeststellungsverfahren gelegt werden, teilte das Gericht zur Begründung mit und berief sich auf eine entsprechende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. Januar 2007 (Az.: 9 A 20.05) zur Westumfahrung der Stadt Halle. Dabei geht es um die Beachtung geänderter Bestimmungen zum Naturschutz in Europa.

Binnen zwei Wochen kann gegen die Entscheidung des Gerichts Beschwerde beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht Bautzen erhoben werden, hieß es. Ein Verfahren durch mehrere Instanzen könnte noch zwei bis drei Jahre dauern, ließ Rechtsanwalt Peter Kremer, der die Kläger vertritt, in einer Mitteilung wissen.

Nach jahrelangem Streit sollte ursprünglich am Montag, 13. August, der Brückenbau im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal beginnen. Wegen des Bauprojektes hatte das Welterbe-Komitee der Unesco die Flusslandschaft im Jahr 2006 auf die Rote Liste der gefährdeten Stätten gesetzt.

Das Gremium stellte Deutschland erst Ende Juni eine letztes Ultimatum für die Vorlage von Alternativen zur Waldschlösschenbrücke. Wird die Brücke wie bislang geplant gebaut, wird der Welterbe-Titel aberkannt.Die Fledermaus Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. In Sachsen gibt es nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie etwa 650 erwachsene und einjährige Tiere.

Mit einer Größe von vier und einer Flügelspannweite von 25 Zentimetern gehört sie zu den kleinsten Fledermausarten Europas. Sie wiegt vier bis neun Gramm. Den Namen bekam sie wegen eines Hautaufsatzes an der Nase in Hufeisen-Form.