Rastede - Wer schon einmal im Park der Gärten in Rostrup war, kennt eine auffällige Arbeit von Helga Kreuzritter. Gleich hinter dem Eingang steht ihr „Augenbaum“ – eine große Plastik. Seit 2010 lebt die Künstlerin in Bad Zwischenahn. Nachdem ihre Arbeiten bereits weltweit auf Kunstmessen zu sehen waren, stellt sie jetzt zum ersten Mal im Palais Rastede aus. An diesem Sonntag wird die Ausstellung eröffnet (siehe Infokasten).

„Die Künstlerin arbeitet in ganz unterschiedlichen Techniken“, erzählt Palais-Leiterin Claudia Thoben bei einem Rundgang durch die neue Ausstellung. Die ehrenamtlichen Helfer sind gerade dabei, die Installationen, Plastiken und Bilder ins rechte Licht zu rücken. „Viele Bilder gehen ins Dreidimensionale“, sagt Claudia Thoben und sieht darin einen Hinweis, dass Helga Kreuzritter ursprünglich aus der Bildhauerei kommt.

Die Künstlerin (Jahrgang 1937) stammt aus Schwerte/Ruhr und studierte nach dem Abschluss des Gymnasiums Bildhauerei in Vlotho (Nordrhein-Westfalen). An einer Kunstakademie in Hamburg machte sie eine weiterführende, dreijährige Ausbildung in Zeichnen und Malerei. Später arbeitete sie über viele Jahre als freischaffende Künstlerin in ihren Ateliers in Stade und auf Sylt.

„Helga Kreuzritter arbeitet in den Raum hinein“, sagt Claudia Thoben und zeigt auf eines der „Materialbilder“. Aus einem Fahrraddynamo, einem Wasserhahn, Teilen eines Notenständers, einem Schlüssel, einem Abflusssieb und anderen Fundstücken schuf die Künstlerin ein Atomkraftwerk. In einer anderen Arbeit werden Bürsten zu Gesichtern.

„Mit diesem Recycling verweist die Künstlerin auf unseren achtlosen Umgang mit unserer Umwelt und auf unsere Fortschritts- und Technikgläubigkeit, die es zu hinterfragen gilt“, sagt Claudia Thoben. Denn: Helga Kreuzritter will mit ihren Arbeiten unbequem sein und provozieren. Sie kritisiert gesellschaftspolitische Entwicklungen und bezieht Stellung dazu. Die Hauptthemen ihres Werkes sind dabei der zerstörerische Umgang des Menschen mit seiner Lebenswelt und menschliche Verhaltensweisen.

Darunter fällt wohl auch der schwarz-rot-goldene Eiertanz. Eine Arbeit, die auf das föderale System verweisen soll, in dem keine Einigkeit erzielt werden kann.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede