Berlin - Ein Mann geht seinen Weg. Unbeirrbar und fast immer auf sich allein gestellt. Dies ist die Formel, mit der Oscar-Preisträger Clint Eastwood (84) als Schauspieler und Regisseur seit Jahrzehnten Erfolge feiert. Sein hoch kontroverses Irak-Kriegsdrama „American Sniper“ mit Bradley Cooper in der Hauptrolle läuft seit Ende Februar in den deutschen Kinos.

Wesentlich ruhiger ging es der Haudegen als Schauspieler 2012 in der Sportkomödie „Back in the Game“ an, die am Donnerstag um 20.15 Uhr bei Vox läuft.

Eastwood spielt den bärbeißigen, verwitweten Baseball-Scout Gus Lobel, der deutlich in die Jahre gekommen ist, aber felsenfest davon überzeugt ist, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. Dabei kann er mit seinen schwachen Augen die Flugbahn des Balls kaum noch erkennen. Sein Chef Pete (John Goodman) hegt schon länger stille Zweifel an der Fitness des Scouts, hält aber loyal zu ihm.

Als es darum geht, für das Team der „Atlanta Braves“ einen neuen Topspieler zu rekrutieren, nimmt Gus höchst widerwillig die Hilfe seiner erwachsenen Tochter Mickey (Amy Adams), einer erfolgreichen Anwältin, an. Zwischen den beiden herrschte lange Funkstille, und es dauert auch eine ganze Weile, bis sie sich endlich zusammenraufen. Mickey setzt ihre Karriere aufs Spiel, aber eigentlich liebt sie Baseball viel mehr als ihre Gerichtsakten.

Regisseur Robert Lorenz, langjähriger Assistent und Produzent von Eastwood, war klug genug, in seinem Spielfilmdebüt nicht nur auf seinen Star zu setzen. Neben der Vater-Tochter-Geschichte, die bisweilen arg sentimental wirkt, gibt es in der zweiten Halbzeit zum Glück noch reichlich Platz für eine romantische Komödie.

Sänger und Schauspieler Justin Timberlake („The Social Network“) bringt mit seiner unbekümmerten Art frischen Wind in das eher statische Familiendrama. Er spielt den Ex-Baseball-Star Johnny Flanagan, der eine zweite Laufbahn als Sport-Kommentator anstrebt und sich Hals über Kopf in Mickey verliebt.

Johnny ist eloquent bis zum Abwinken, charmant, einfach ein netter Bursche, und natürlich kommt er ans Ziel seiner Träume. Da huscht dann ganz am Ende auch ein Lächeln über das zerfurchte Gesicht des alten Baseballrecken Gus. Endlich macht er sich mal locker, trippelt ungewöhnlich leichtfüßig davon und überlässt - ganz Gentleman alter Schule - den jungen Leuten das Feld.