Edewecht - „Heute kann man gar nicht mehr ermessen, welche Bedeutung die 800-Jahr-Feier im Jahr 1950 für die Bevölkerung hatte“, sagt die Edewechter Heimatautorin Almuth Suntay und zeigt auf diverse historische Fotos, die damals entstanden waren.
„Alles war auf den Beinen, als der große Festumzug mit vielen Festwagen, Fußgruppen und Reitern durch Edewechts Straßen zog. Nicht nur Edewechter beteiligten sich, sondern die Menschen aus den Nachbardörfern wie Portsloge, Scheps oder Jeddeloh. Die Häuser im Dorf waren mit bunten Girlanden geschmückt worden. Über den Straßen hingen Girlanden, es war einfach beeindruckend. Endlich konnte man nach dem ganzen Elend und Gräuel des Krieges durchatmen, im stark zerstörten und immer noch nicht vollständig wieder aufgebauten Edewecht schöne Stunden miteinander verbringen und feiern.“
Die beeindruckende 800-Jahr-Feier Edewechts hat Almuth Suntay – sie war damals 15 Jahre alt – zum Anlass genommen, ein Buch zu veröffentlichen. „Mein neuer Bildband, der im November erscheinen soll, widmet sich vor allem diesem Fest“, sagt die 82-Jährige.
Diverse Fotos, die sie zum Teil von ihrer Großmutter erhalten hatte, zum Teil von anderen Edewechtern bekam und sammelte, wird das etwa 90-Seiten zählende Buch umfassen. Doch nicht nur das: Auch Texte aus der Festschrift, die zum 800. Dorfbestehen entstand, wie z.B. die Grußworte des damaligen Bürgermeisters August Heidkämper und des damaligen Gemeindedirektors Fritz Gehrels, enthält der Band. So berichtet Gehrels, „wie 17 Tage kampf-, not- und branderfüllte Kriegstage“ im Frühjahr 1945 Edewechts Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verändert hatte. Mit außergewöhnlicher Tatkraft und finanziell beschränkten Mitteln habe die Gemeinde drei kriegszerstörte Schulen, viele Brücken und Gemeindestraßen wiederherstellen und obendrein über 90 Bauplätze für Bauwillige bereitstellen können.
Doch nicht nur der 800-Jahr-Feier widmet sich die Autorin in Wort und Bild: „An diesem Festwochenende im September 1950 wurde auch der neue Glockenturm der Edewechter St. Nikolai-Kirche eingeweiht, der alte war im Krieg zerstört worden.“ Obendrein gibt es weitere Aufnahmen vom Edewechter Heimatverein, von den ersten Schützenfesten mit Kinderumzügen nach dem Krieg, vom Maibaumsetzen und vom ehemaligen Edewechter „Schützenhof“, der längst abgerissen wurde.
Doch der Bildband ist nicht das einzige Buch, an dem Almuth Suntay derzeit arbeitet. Ein weiteres soll ebenfalls noch dieses Jahr auf den Markt kommen. „Edewecht hat in den vergangenen Jahrzehnten so viel an historischer Bausubstanz verloren. In einem weiteren Bildband will ich zeigen, wo welche ortsbildprägenden Gebäude standen und wie stark sich das Dorf verändert hat.“
Auch mit zwei Buchprojekten ist die Edewechterin noch nicht ausgelastet: „Ich arbeite parallel an einem weiteren Buch über die Edewechter Bauernhöfe mit ihren Ökernamen und Hausmarken. Dazu bedarf es noch einiger Recherchen. Das wird noch eine Weile dauern. Und ein viertes Kriegsbuch, unter anderem mit Tagebuchauszügen von ehemaligen Soldaten, will ich auch noch veröffentlichen.“
