Edewecht - „Die Leute haben sich riesig gefreut, dass es ein paar Jahre nach dem schrecklichen Krieg mit soviel Leid etwas zu feiern gab“, sagt Almuth Suntay. Gemeint ist die 800-Jahr-Feier Edewechts im Jahr 1950. Dem großen Umzug im Dorf hat die Heimatautorin in ihrem neuen Buch „Ereignisse und Raritäten in den 1950/60 Jahren“ viele Seiten gewidmet.
Für ihr neues Buch hat die 83-Jährige wieder diverse Bilder und Texte zusammengetragen, darunter auch die Ansprache des ehemaligen Edewechter Bürgermeisters August Heidkämper zur 800-Jahr-Feier sowie Gedichte von Fritz Binder, dem Organisator des Festumzugs zum 800-Jahr-Feier. „Die Gedichte habe ich in seinen Aktenordnern gefunden. Dieses Fest war so etwas Besonderers – an den Feierlichkeiten haben sich damals alle Edewechter beteiligt.“
Viel Platz hat die 83-Jährige auch Sport und Sportlern eingeräumt: Gezeigt werden Bilder der ersten Fußballmannschaft oder des Tischtennis-Klubs Blau-Rot. Letzterer wurde 1952 von ihrem Stiefvater gegründet. Training und Spiele fanden in einem Tanzsaal im Gasthof am Markt statt. „Eine Turnhalle gab es nicht. Viele Gebäude waren ja im Krieg zerstört worden.“
Auch um Hein ten Hoff, genannt „der lange Hein“, geht es. Der Profiboxer und Europameister wurde 1919 in Süddorf geboren. Seinen Spitznamen verdankt er seiner Körpergröße von 1,96 Meter. „Bei den Kämpfen haben mein Opa und ich das Radio laut aufgedreht und dabei Tee getrunken. Fernsehen gab es nicht“, erinnert sich Suntay.
Das Buch hat noch mehr zu bieten. So wurde in Edewecht nach Gas und Erdöl gebohrt – gefunden wurde nichts. Almuth Suntay erinnert auch an die in Osterscheps stationierten amerikanischen Soldaten. Außerdem berichtet die 83-Jährige darüber, dass in der Nachkriegszeit viele, heute alltägliche Dinge knapp waren. Alkohol wurde schwarz gebrannt und Tiere schwarz geschlachtet. „Das war natürlich verboten, man durfte sich nicht erwischen lassen.“ Schnaps und Fleisch wurden zum Bezahlen genutzt, um Lebensmittel, für Kleidung oder Baumaterial zu kaufen. Eine gute Währung seien auch amerikanische Zigaretten gewesen – obwohl viele damals in Edewecht selbst Tabak angebaut hätten. Gern erinnert sich Suntay an Schlickerstangen. „Wir haben im Winter Eiszapfen abgebrochen und sie in Zuckertöpfe getaucht.“
Viele Erinnerungen werden für ältere Edewechter beim Blättern in dem Buch wieder lebendig, Jüngere können allerlei über die Edewechter Heimatgeschichte erfahren.
Das Buch gibt es diesen Sonntag, 25. November, ab 11 Uhr beim Basar im „Haus der Begegnung“ und kann über die Autorin,
