EDEWECHT - EDEWECHT - Ein außergewöhnliches Konzert mit Chor- und Instrumentalmusik konnten Musikfreunde in Edewechts St. Nikolai-Kirche genießen. Auf Einladung der Edewechter Kunstfreunde präsentierten der Chor der Evangelischen Stadtkirche Remscheid unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Ruth Forsbach und einige Solisten Kompositionen des 2003 verstorbenen Kirchenmusikers Henning Frederichs.

Bereits im Eingangswerk, dem „Samländischen Aufstand 1525“, wurde die Mannigfaltigkeit und Ausdrucksstärke der Musik Frederichs sowie dessen besonders eindringliche und emotionale Tonsprache vermittelt. Neben Wispern, Raunen, Sprechen der unterschiedlichen Tonlagen der Chorstimmen, die zum Teil einander gegenübergestellt werden bzw. sich vermischen, stand eine rhythmisch diffizile, sehr klare Sprache.

Der Wunsch Frederichs nach szenischer Erweiterung der Musik wurde deutlich in der Passacaglia für Violine solo, interpretiert von Frederichs Tochter, der Geigerin Silke Frederichs. Von verschiedenen Stellen des Altarraums spielte und zelebrierte sie die einzelnen Variationen. Neben der Geige nutzte sie auch andere Klangkörper, zum Teil begleitet von der Musik des Themas aus dem hinteren Teil der Kirche vom Tonband erklingend, wodurch ein ungewöhnlicher Klangeindruck entstand, der an einen abendichen Spaziergang durch eine südländische Stadt erinnerte. Silke Frederichs gelang ihre Darstellung sehr sauber, sensibel ausdrucksstark und technisch überaus beherrscht.

Dass der Komponist bemüht war, sich klanglich immer anders auszudrücken, wurde bei weiteren Werken des Abends klar, wie bei „...mit Menschen – und mit Engelszungen“, einem Stück für drei Solistinnen, vierstimmigen Frauenchor und andere Klangerzeuger. In diesem sehr anspruchsvollen Werk verstanden es sowohl die Solistinnen Silke Blankemeyer, Silvia Tarhan und Friedgund Schlechtriem hochkomplexe Tonfolgen in zum Teil extremen Tonhöhen sehr symbiotisch und homogen vorzutragen.

Nach der Suite aus der „Missa in Pacem“, vielschichtig und souverän interpretiert von der Leiterin des Remscheider Chores, Ruth Forsbach, erklang das Schlusswerk des Abends, die 1990 komponierten „Anrufungen für 14 Sprecher und gemischten Chor“.

Ein Gegeneinander der Stimmen von 14 Priestern mit den ihnen eigenen Gebeten gipfelt in den Ruf „Abba“ und mündet schließlich in den Choral „Vater unser“. Hier ließ Ruth Forsbach die unterschiedlichen stimmlichen Charaktere der solistisch eingesetzten Chorsänger wirken. Beeindruckend, wie sie mit sicherer und ruhiger Hand das komplexe Stimmen- und Rhythmusgewirr führte und in zum Teil groß angelegten dynamischen Bögen die für manchen Zuhörer sicherlich fremden Klänge behutsam näher brachte.

Der große Eindruck und die Anteilnahme an dieser sicherlich besonderen Art einer Chormusik war den Interpreten und vor allem den Zuhörern des Konzertes anzumerken.