EDEWECHT - Johannes Brahms selbst bekam die technischen Tücken seiner Sonate für Violine und Klavier D- Moll op.108 zu spüren. Er und der Geiger Joseph Joachim entzweiten sich rhythmisch bei den Synkopen im letzten Satz heftig. ,Immerhin kamen sie gemeinsam zum Schluss’, merkten Freunde süffisant an.
Auch heute lachen Geiger und Pianisten nicht über diese heikle Passage. Aber sie meistern sie lächelnd, wenn sie technisch und gestalterisch so souverän agieren wie Ida Biehler und James Maddox im Foyer der Edewechter Außenstelle des Gymnasiums Zwischenahn/Edewecht.
Weit reicht im Konzert der Edewechter Kunstfreunde die Spanne der technischen und musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten der in Düsseldorf und London lehrenden Geigerin und des häufig beim Schleswig-Holstein-Musikfestivals nachgefragten australischen Pianisten. Das Duo geht die Musik außerordentlich sensibel an, verweigert aber auch der dramatischen Attacke nicht ihr Recht.
Geistvoll kommt Mozarts Sonate D-Dur KV 306 daher, dramatisch lassen Maddox/Biehler den Kopfsatz pulsieren, ohne ihn über Gebühr zu beschweren. Smetanas zwei Stücke „Aus der Heimat“ könnten zu Salonmusik abgleiten. Aber die Künstler verstehen es, den eingängig banalen Klangreiz durch ihre Spielraffinessen aufzufächern.
Tiefer dringen sie in die Brahms-Sonate und Debussys g-Moll-Sonate ein, das letzte Werk des Franzosen. Biehler achtet sorgsam auf Klangausgleich und Farbnuancen zum Tasteninstrument. Maddox trifft genau das spezifische Klangidiom Debussys. Und plötzlich entsteht aus dieser unverbindlich scheinenden Reihung von Motiven und Eindrücken ein großes Ganzes, in dem ein Großer der Musik seine innere Bewegung zu einer zerrissenen Zeit (1917) artikuliert.
Da steht dann sogar das Brahms-Opus leicht zurück. Ida Biehler lässt aufhorchen, wenn sie zurückhaltend Linien und Strukturen ausleuchtet und auch im Piano und Pianissimo stabil bleibt. Auftrumpfen hat sie nicht nötig.
Aber sie kann es und zeigt das, wenn sie mit nervig-gespanntem Ton die Entwicklung vorantreibt und die Emotionen anheizt. Da folgt ihr auch James Maddox, aber der sonst ideale Partner tut das eine Spur zu widerstandslos. Das feilt einige belebende Reibungen ab. Der Freude der Zuhörer an einem zugebenen Ungarischen Tanz von Brahms und einem Rumänischen mit Flageoletttönen von Bartok tut das keinen Abbruch.
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