EDEWECHT - Er war ein genialer Satiriker, einer der größten deutschen Schriftsteller und darüber hinaus auch Chansonier. In Edewecht wurde Kurt Tucholsky mit seinen Satiren, Gedichten, Erzählungen und Liedern zumindest für 90 Minuten wieder lebendig. Das Cantaton-Theater mit Burkhard Engel präsentierte in der Alten Gärtnerei Gloede in Edewecht einen Abend mit Liedern und Satiren des scharfzüngigen Künstlers (1890 bis 1935), die zum Teil noch heute aktuell sind und nichts von ihrer Nachdenklichkeit verloren haben.
Mit Burkhard Engel konnten die Edewechter Kunstfreunde einen Künstler verpflichten, der Tucholsky nicht nur rezitierte, sondern ihn mit „Geist und Herz“ lebte. So mancher Zuschauer hatte den Eindruck, dass er dem „wahren Tucholsky“ lauschte.
Es war häufig keine leichte Kost, die Burkhard Engel dem Publikum servierte. Konzentriertes Zuhören war unerlässlich. Bei manchem Vortrag war es so ruhig im Raum, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Bei anderen blieben den Gästen das Lachen im Halse stecken, wenn Burkhard Essays und Erzählungen voller Ironie und mit zum Teil bösem Spott zum Besten gab. Künstlerische Zielscheibe von Tucholsky waren immer wieder das „deutsche Spießertum“ und die Verführbarkeit der Deutschen durch den Nationalsozialismus (Tucholsky starb 1935 im schwedischen Exil). Aber auch die Zerrissenheit und die politische und private Heimatlosigkeit des Satirikers thematisierte Engel.
Für den Gründer des Cantaton-Theaters sowie freien Autoren und Musiker aus Erbach war es der erste Auftritt in Edewecht. Angetan war Engel von dem besonderen Ambiente der Alten Gärtnerei Gloede. Da er gern ohne Tonverstärker arbeite, um Tucholsky noch authentischer darstellen zu können, kam ihm der Raum sehr entgegen.
Leider fand dieser „kulturelle Hochgenuss“, so ein Besucher der Veranstaltung, nicht den Zuspruch, den er verdient hatte. Kunstfreunde-Vorsitzender Jack Morin zeigte sich zwar mit der Resonanz des Abends zufrieden, doch dieser Auftritt hätte mehr Gäste verdient gehabt. Dem Künstler Burkhard Engel war es egal. Ob vor wenig oder viel Publikum: Er lebte den Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky und lieh ihm für kurzweilige 90 Minuten, die für die Zuhörer viel zu schnell vergingen, seine Stimme.
