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Umweltfrevel In Edewecht Wilden Müllkippen auf der Spur

Ingo Schmidt

Edewecht - Meist sind es abgelegene Sandwege wie der Tonkuhlenweg in Jeddeloh I, an denen Umweltsünder ihren Unrat entsorgen. Wilde Müllkippen, die regelmäßig aufgesucht werden, gibt es im Bereich Edewecht aber nicht. „Die Leute sind sehr flexibel“, sagt Sven Temmen vom Ordnungsamt der Gemeinde mit einem Anflug von Sarkasmus, „sie suchen sich immer neue Stellen“.

„In 99 Prozent der Fälle“, weiß Temmen, „lässt sich kein Verursacher ermitteln.“ Die häufigsten Hinweise, die zur Ergreifung von Umweltsündern führen, sind Adressaufkleber, sei es auf Kartons oder sonstigen Schriftstücken. Bleiben die Nachforschungen erfolglos, ist der Bauhof gefragt. Dessen Mitarbeiter müssen den Unrat dann einsammeln und entsorgen. „Eigentlich wäre hier die Untere Abfallbehörde des Landkreises zuständig, doch wir leisten da Amtshilfe“, beschreibt Temmen das weitere Vorgehen. Ein Prozedere, das zwar nicht übermäßig häufig, aber dennoch regelmäßig so abläuft.

Täter äußern sich nicht

Eines aber bleibt rätselhaft: „Warum machen sich Leute die Mühe, so ’nen blöden Schrank aufzuladen und in die Prärie zu schmeißen, wenn in Edewecht zweimal pro Jahr kostenlos Sperrmüll angemeldet werden kann?“ Zwar dauere das ein wenig, aber man könne die Sachen dann einfach an die Straße stellen, erklärt er. Positiv stellt Sven Temmen allerdings heraus, dass sich die Leute auf dem Dorf aber noch selbst kümmerten. „Die wollen das da halt nicht rumliegen sehen und räumen es weg.“

Und dennoch gibt es Orte, an denen Müll in besonderem Maße weiteren Müll anzieht. Container-Stellplätze zum Beispiel. „Da wird dann am Glascontainer schon mal ein ein kaputter Klappstuhl entsorgt“, nennt Temmen ein Beispiel. Einer dieser Standorte konnte in der Vergangenheit erfolgreich entschärft werden: „Die Sammelstelle am Stadion“, berichtet Elke Logemann von der Unteren Abfallbehörde, „war mal ein solcher Ort, an dem sich Müll anhäufte“. Mit einfachen Mitteln habe man hier aber Abhilfe schaffen können, denn: „Hinter der Sammelstelle befand sich ein Zaunelement, hinter das allerlei Dinge entsorgt wurden.“ Seit man es entfernt habe, so Logemann weiter, sei es deutlich besser geworden.

Findet sich doch mal ein Adressaufkleber, ist das ein Job für die Untere Abfallbehörde. „Wir freuen uns dann“, sagt Elke Logemann. „Wir fotografieren das dann beim Bauhof, bemessen die Menge und setzen so das Buß- oder Verwarngeld fest.“ Und das liegt beim Verwarngeld zwischen fünf und 55 Euro, ein Bußgeld schlägt mit 50 Euro und mehr zu Buche.

Der vermeintliche Verursacher bekommt dann einen Anhörungsbogen und kann sich zum Sachverhalt äußern. „Viele streiten das natürlich ab und sagen, sie hätten die Sachen schon lange nicht mehr gesehen“, schildert Logemann die Reaktionen. „Die wahren Täter aber äußern sich meist gar nicht.“

Befragung durch Polizei

Es kann aber auch sein, dass die Polizei in Sachen Umweltverschmutzung tätig wird. Das geschieht dann, wenn sich Bürger direkt an sie wenden oder wenn die Untere Abfallbehörde etwa Gefahrstoffe oder besonders grobe Verstöße nach § 326 des Strafgesetzbuches an die Beamten weitergibt.

Dann ist Heinz Baumann, Umweltsachbearbeiter bei der Polizei Westerstede, gefragt. Besonders dann, wenn Adressen gefunden werden, rückt er mit Kollegen zu einer Befragung aus. „Mein Müll ist das nicht“, laute meist die erste Antwort, sagt Baumann, „doch wir halten immer was in der Hinterhand zurück, um die Person doch zu überführen.“ Manchmal allerdings sei es auch recht einfach, die Leute zu überführen: Beispielsweise dann, wenn Malerutensilien mit Adressetikett gefunden würden. „Selbst bei einem Mehrparteienhaus ist dann schnell klar, ob jemand renoviert hat und ob die Fundstücke zu den gemachten Arbeiten passen.“ Aber nicht nur Privatleute sehen es manchmal nicht so genau mit dem Umweltschutz.

Weit von Mansie entfernt

„Edewecht ist nun mal der Speckgürtel Oldenburgs“, erklärt Heinz Baumann. „Die Region ist gewerblich interessant und die Landschaft selbst hilft dabei, Dinge verschwinden zu lassen.“ Maisfelder im Sommer etwa, oder die Dunkelheit an entlegenen Orten im Winter. Doch es gibt auch andere Gründe, die Menschen dazu animieren, sich ihres Abfalls auf verbotene Weise zu entledigen: „Edewecht ist neben Rastede von der Deponie in Mansie mit am weitesten entfernt und es gibt großflächige unbewohnte Ecken“, schildert Baumann.

Vielfach komme der Müll direkt aus dem Kofferraum. Was vielen gar nicht bewusst sei: „Meistens gehören die Wälder und Wege Privatleuten, nicht dem Land Niedersachsen, und die bleiben dann auf dem Müll sitzen“, gibt Baumann zu bedenken.

„Manchmal stellen wir auch fest, dass die Verursacher gar nicht aus dem Ammerland stammen, sondern aus Kommunen, die für die Sperrmüllabfuhr Gebühren verlangen“, fügt Elke Logemann an, „aber in den meisten Fällen sind es Einheimische“. Und manchmal, da gibt es sogar Zeugen. „Das ist gut, wenn diese auch bereit sind, gegen den Verursacher auszusagen“, sagt Baumann. „Sind sie das aber nicht, weil sie Konsequenzen befürchten, können wir den Fall nicht weiterverfolgen.

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