Edewechterdamm/Edewecht/North Bay - Vor nicht einmal 75 Jahren fanden erbitterte Kämpfe rund um den Küstenkanal Richtung Friesoythe und Edewecht statt. Dass die Geschichte des Zweiten Weltkrieges nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt akribisch aufgearbeitet wird, zeigt der spontane Besuch von Geschichtsprofessor Stephen Connor an den Orten des Geschehens.
Der 48-Jährige aus der kanadischen Stadt North Bay in der Provinz Ontario (liegt nördlich von Toronto) arbeitet die Geschichte der Armee Kanadas auf. Besonders interessant ist für ihn die Militäreinheit „The Algonquin Regiment“ – jene Einheit, die 1945 Friesoythe zum Großteil zerstörte und weiter über den Küstenkanal zog.
„Auch wir Kanadier haben eine enge Verbindung zum Zweiten Weltkrieg“, betont Connor, „weil auch viele meiner Landsleute gefallen sind.“ Allerdings sei das Wissen über „The Algonquin Regiment“ nicht ganz so weit verbreitet. Bisher sei nur der Kontakt zu befreundeten Gemeinden in Belgien und den Niederlanden vorhanden gewesen.
Das wird sich höchstwahrscheinlich bald ändern: Als Connor bei einer Tagung in den Niederlanden ist, nimmt er Kontakt zu der Edewechterin Almuth Suntay auf. Die 83-Jährige ist Heimatbuchautorin und hat bereits mehrere Bücher zur Kriegsgeschichte in und um Edewecht geschrieben. Ihr Buch „Edewecht“ fand Connor vor einiger Zeit in einer Bibliothek in New York. Connor bricht ganz spontan nach Edewecht auf.
„Almuth Suntay ist quasi für mich eine neue Quelle des Wissens“, freut sich Stephen Connor. Sie bringe dem Professor der Nipissing University noch mehr Licht ins Dunkle: „Es ist wie das Öffnen einer Schatztruhe.“ Ihm ist es aber auch wichtig, Edewecht zu sehen, da seine Landsleute auch dorthin vordrangen.
„Mir ist es ein Anliegen, die Geschichte meinen Studenten zu erzählen und aus der Vergangenheit zu lernen.“ Der Großteil seiner Schützlinge sei um die 20 Jahre alt. So alt waren 1945 auch die Soldaten – oder noch viel jünger.
Nachdem Friesoythe im April 1945 zum Großteil zerstört worden war, zogen die Kanadier weiter Richtung Edewechterdamm. Dort warteten bereits die deutschen Marinesoldaten, die den Brückenkopf verteidigten.
Als die Kanadier den Brückenkopf erobert hatten, teilte sich ihre Front auf der Vormarschstraße nach Edewecht. In Süddorf nahm ein Teil die Abzweigung nach Osterscheps, während der andere nach Edewecht vorrückte. Nachdem auch Edewecht zerstört war, zog „The Algonquin Regiment“ weiter Richtung Bad Zwischenahn.
Es war übrigens nicht der erste Besuch des Geschichtsprofessors in Edewechterdamm. Bereits 2018 war Connor mit 20 Studenten nach Deutschland gereist. Damals allerdings noch ohne „Quelle des Wissens“. So irrte der kanadische Tross etwa zwei Stunden an der Kanalbrücke ohne wirklichen Plan umher. „Manche Leute hatten schon komisch geguckt“, erinnert sich Connor und lacht. Das soll sich zukünftig ändern. Mit der neuen Quelle ist Connor sehr gespannt, was er noch alles über die Kriegsgeschichte am Kanal erfahren wird.
