Oldenburg - Die Scheidungsrate steigt, ein Leben als Single steht in voller Blüte. Doch wie fühlt es sich eigentlich an, wenn der eigene Mann nach einer Geschäftsreise ein- statt auspackt und man unfreiwillig zurückbleibt einzig mit dem Hund? Für Angela Kennedy Lipsky, deren Mann Max mit seiner südamerikanischen Flamme Rosa ein neues Leben beginnt, heißt es: Ehe ade, scheiden tut weh. Im ausverkauften Theater Wrede feierte „Meine tolle Scheidung“ in der Regie von Gudrun H. Lelek jetzt Premiere.

Die irische Dramatikerin Geraldine Aron schrieb mit „My brilliant divorce“ ein humoriges Ein-Personen-Scheidungsdrama mit Happy End. Marga Koop schlüpft in die Rolle der verlassenen Ehefrau mittleren Alters. Als Angela Kennedy Lipsky muss sie sich mit einem frauenfeindlichen Scheidungsanwalt herumschlagen, die Vorhaltungen ihrer Mutter ertragen und die Schmäh der Telefonseelsorge. Die Freunde haben sich gleich mit verabschiedet, das erste „Blind Date“ ist oberpeinlich, der erste Sex eine Katastrophe. Und die unfreiwillige Single-Frau wünscht sich: „Lieber tot als allein zu sein.“

Marga Koop muss als Angela nicht nur ihre – alles andere als tolle – Scheidung allein bewältigen, sondern auch ein Riesenpensum. Fast zwei Stunden lang (inklusive einer kleinen Pause) erzählt sie in rasantem Tempo und verkörpert dabei fast sämtliche Rollen. Besonders der Einkauf im Sexshop ist hinreißend komisch, ebenso der Tratsch unter Putzfrauen oder die regelmäßigen Hausarztbesuche. Das großartige Rollenspiel und der kräftezehrende Wortmarathon entschuldigen ihre kleinen Versprecher zum Ende eines trotz der Länge kurzweiligen Abends.

Musiker Alexander Goretzki, der wie Koop dem Künstlerkollektiv ko.produkt angehört, übernimmt zwar auch einige Sprechparts, ist vor allem aber Koops Klangpartner. Man stelle sich einen kleinen Musikwarenladen auf der Bühne vor. Hier steht Goretzki zwischen Keyboard, Schlagwerk, Gitarre, Akkordeon und allerhand weiteren Percussion-Instrumenten. Jede Gefühlslage der Protagonistin unterstreicht er mit einzelnen Klängen oder melodiösen Zitaten. So entsteht eine atmosphärische Geräuschkulisse.

Man hätte sich für Marga Koop auch sonst ein bisschen mehr Finesse in Sachen Kulisse gewünscht. Doch ihr bleiben nur ein paar Farbteppiche in Herzchenform auf dem kahlen Boden und zwei Treppchen, deren karge Stufen ihr einziges Requisit sind. Viel ist das nicht. Scheiden tut eben doch weh.

Karten unter Tel. 957 20 22.