Hildesheim/Osnabrück - Angesichts des Priestermangels setzt die katholische Kirche in Niedersachsen verstärkt auf Ehrenamtliche. An die Stelle klassischer Gemeindepfarrer treten Teams, die die Seelsorge in größeren Gebieten koordinieren, teilten die Bistümer Hildesheim und Osnabrück am Montag mit. Für die Region Hannover mit gut 150 000 Katholiken wurde jetzt eine Neustrukturierung erarbeitet, die eine Betreuung von 23 Gemeinden durch acht Teams vorsieht, in denen Ehrenamtliche ihren festen Platz haben. Bis 2025 wird mit 30 Prozent weniger Priestern und 25 Prozent weniger Gemeindereferenten kalkuliert.
„Ein Priester für eine Gemeinde, das ist ein Modell, das in Zukunft voraussichtlich nicht mehr zu finden sein wird“, sagte der Hildesheimer Bistumssprecher Volker Bauerfeld. Auch in den anderen 16 Dekanaten des Bistums werde an Plänen gearbeitet, wie die Seelsorge mit dem zukünftigen Personal geleistet werden kann. Im Mittelpunkt stehe das Konzept der lokalen Kirchenentwicklung, bei der Ehrenamtliche das örtliche Gemeindeleben tatkräftig mitgestalten - nicht als Notnagel, sondern als engagierte Vorbilder. „Die Rolle des Priesters ändert sich dadurch“, sagte Bauerfeld.
Mit ehrenamtlichen Gemeindeteams, die die Verantwortung für kleine Kirchengemeinden übernehmen, hat das Bistum Osnabrück seit zwei Jahren Erfahrung gesammelt. Die Ehrenamtlichen sind dabei nicht bloß Laienhelfer, sondern im bischöflichen Auftrag mit einem entsprechenden Schreiben im Amt, sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann. „Das bauen wir jetzt weiter aus.“ Neben Hildesheim erprobten auch die Bistümer Würzburg und Magdeburg ehrenamtliche Gemeindeteams. Parallel dazu gibt es für die größeren Gemeinden im Bistum Osnabrück hauptamtliche Gemeindeteams, zu denen neben einem Priester je nach Größe weiterhin Diakone und Gemeindereferenten gehörten.
