Jever - Er schrieb nicht nur Gedichte und Prosatexte sondern auch Lieder, Dokumentationen für das Radio, szenische Spiele für das Theater, Sachliteratur und vieles mehr: Oswald Andrae (1926 bis 1997) erfährt am Sonntag, 23. November, ab 16 Uhr im Mariengymnasium eine nachträgliche Ehrung: Die Schule benennt einen Raum der Bibliothek nach ihm.
Für das abwechslungsreichen Programm am Sonntag sorgen Hannelore Andrae, die unveröffentlichte Gedichte ihres Mannes liest, Iko Andrae, der Lieder seines Vaters singt, sowie Hans-Jürgen Klitsch, der einen Vortrag über Leben und Werk von Oswald Andrae halten wird.
Klitsch hat sich ein Jahr lang ausgiebig mit dem Autoren beschäftigt, indem er alte Tonaufnahmen von Andrae überspielt hat. Hannelore Andrae hatte der Schulbibliothek das ganze Tonarchiv ihres Mannes zur Verfügung gestellt.
„Oswald Andrae ist einfach jemand, den man ehren muss“, sagt Bibliotheks-Leiterin Dr. Anja Belemann-Smit: „Mit unserem Programm am Sonntag werden wir die Besucher abwechslungsreich durch das Leben von Oswald Andrae führen.“
Der jeversche Autor wurde am 25. Juni 1926 geboren. Oswald Andrae hat bis auf Studienjahre sein Leben lang in seiner Heimatstadt Jever am Kirchplatz gelebt und gearbeitet, als Optikermeister und seit Anfang der 50er Jahre auch als Schriftsteller.
Im Jahr 1957 erschien sein erstes Buch „Die Sünn schient jeden Tag“. Schnell wurde er überregional bekannt, und seine Texte, von denen er einige in hochdeutsch und andere in plattdeutsch verfasste, wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Der preisgekrönte Lyriker aus Jever galt wegen seiner teils satirischen und politischen Verse mit aktuellen Bezügen als Erneuerer niederdeutscher Dichtkunst.
Das Land Niedersachsen lud Oswald Andrae 1989 in de Villa Massimo in Rom ein, in der auch schon der Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) oder auch der Schriftsteller Heinrich Böll (1917-1985; „Ansichten eines Clowns“, 1963) Stipendiaten waren.
Eines der bekanntesten Werke Andraes ist „Dat Leed van de Häftling Nr. 562“. Der jeversche Antifaschist widmete es dem Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager ermordet wurde. Das Gedicht wurde in mehrere Sprachen übersetzt und vertont.
Oswald Andrae starb am 19. Februar 1997 in Jever.
Die Eintritt zur musikalischen Lesung in der Bibliothek ist frei.
