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Von Reinhard Tschapke
Frage:
Erst Himmelfahrt sind Neonazis wieder in Deutschland auf die Straße gegangen. Macht Sie das mutlos als Überlebende des Holocaust und jahrzehntelange politische Aufklärerin?
Deutschkron:
Ich verzweifle nicht, aber es regt mich auf! Ich verstehe einfach nicht, dass man in Deutschland damit nicht fertig wird!
Frage:
Was sollte man tun?
Deutschkron:
Ich finde es ungeheuerlich, dass man die NPD nicht verbietet! Die Geschichte mit den V-Leuten kann doch wirklich nicht der Hinderungsgrund sein! Für ein Verbot gibt es genügend Material.
Frage:
Sie ärgern sich über die deutschen Parteien . . .
Deutschkron:
. . . und über die Regierung. Wir alle zahlen Steuern. Und wir zahlen damit auch für die Finanzierung der NPD! Dagegen lehne ich mich entschieden auf!
Frage:
Woran liegt es, dass die Neonazis immer noch Zuspruch finden?
Deutschkron:
Da kommen viele Faktoren zusammen. Nehmen Sie allein das Schulsystem – wer da ganz unten ist, der hat keine Perspektive! Was sollen die denn machen?
Frage:
Und was kann man machen?
Deutschkron:
Man muss die Schule reformieren. Man muss wieder Jugendclubs öffnen, die z. B. nach der Wende im Osten geschlossen wurden. Wer nur rumhängt, findet irgendwann bei den Neonazis seinen Anschluss.
Frage:
Sind Neonazis eine Gefahr für unsere Demokratie?
Deutschkron:
Ich halte die Demokratie dieses Landes für sehr stabil. Aber wenn man nicht aufpasst, dann sind die Neonazis doch eine Gefahr. Man muss Demokratie pflegen. Das ist ja auch der Zweck meiner Arbeit: Ich will die Jugend aufklären.
Frage:
Ist die Situation heute besser oder schlechter als vor Jahrzehnten?
Deutschkron:
Unter Adenauer wurde das Problem verdrängt. Der Holocaust wurde ungenügend in den Schulen thematisiert. Und die Schüler von damals sind die Eltern einiger Kinder, die heute zu den Neonazis laufen.