Oldenburg - Wer sagt eigentlich, dass man nur auf den altbekannten Instrumenten Musizieren kann? Mike Svoboda beweist schon gleich am Anfang des Familienkonzerts des Staatstheaters das Gegenteil – da bläst er in einen Gartenschlauch und entlockt diesem eine Reihe ganz erstaunlicher Töne.

Eigentlich ist Svoboda Posaunist, und natürlich beherrscht er auch dieses Instrument bestens: Mit den von Thomas Dorsch geleiteten Streichern des Oldenburgischen Staatsorchesters spielt er den letzten Satz von Johann Georg Albrechtsbergers Posaunenkonzert – einem, wie Svoboda erzählt, besonders frühen Vertreter der Gattung. Dass die Posaune für Svoboda ein Instrument ist, „mit dem man Musik singt“, demonstriert er zudem in drei von Hans Schönthal verarbeiteten Liedern von Johannes Brahms.

Dann aber präsentiert der in der Schweiz lebende US-Amerikaner im Kleinen Haus eine Mischung aus Klängen und Geschichten (Dramaturgie: Lars Gebhardt), die ebenso lehrreich wie witzig ist. Dabei, so Svoboda, solle ihm sein junges Publikum bitte nicht jedes Wort glauben. Wenn er erzählt, dass die Kinder in seiner Wahlheimat „alphornisch“ lernen würden und man die Klänge des großen Alpen-Instrumentes direkt in Worte übersetzen könne, dann ist das natürlich ein wenig geflunkert. Macht nichts – denn Svoboda bringt mit dem Alphorn und der dazu gehörigen Geschichte sein Publikum schnell zum Lachen. Dabei scheint der Mann buchstäblich mit allem Musik machen zu können. Selbst aus einer Muschel holt er furiose Töne, und am Ende der „Hommage à Badesaison“ für Südseemuschel und Wasser möchte man unwillkürlich zum Handtuch greifen.

Svoboda, der gleichsam eine Art musikalische Doppelexistenz führt, mit Größen wie Stockhausen, Eötvös, Zappa zusammengearbeitet hat und auch als Komponist hohes Ansehen genießt, behält seinen Humor auch in eigenen Kompositionen bei. Zwei Sätze aus „ALIAS – Mozart aka Rossini“ (Posaune, Streicher, Schlagzeug), erzählen zauberhaft verquere Musik-Geschichten. Und weil die Kochleidenschaft Rossinis legendär ist, kommt Schlagzeuger Moritz Weller als Koch daher, der seine Rhythmen beim Möhren schälen oder Messer wetzen macht. Später dann, als Zugabe, greift Svoboda gar zum Abflussrohr und entlockt selbst diesem Utensil eigene Klänge. Das junge Publikum steht ihm tatkräftig zur Seite – das hatte er da längst für sich und seine Musik gewonnen.