Oldenburg - Nicht, wie bisher, im Großen Haus, sondern wesentlich intimer, im Schmuckfoyer des Staatstheaters, gab es einen neuen Liederabend mit Sängern des Hauses. Die russische Mezzosopranistin Yulia Sokolik und der koreanische Bariton Daniel Moon, von Carlos Vásquez bestens am Klavier begleitet, beeindruckten mit Kunstliedern aus der Heimat, die auch ohne die dem Programmheft beiliegende Übersetzung emotional verstanden wurden.
Daniel Moon sang das koreanische Lied vom heimatlichen Berg, den das lyrische Ich auf unbestimmte Zeit verlassen muss, mit überschwänglichem und herzzerreißendem Pathos, als sänge er nicht ein Lied, sondern sein Heimweh.
Yulia Sokoliks Lieder von Tschaikowsky, Glinka und Mussorgsky versprühten mehr den Geist und Witz der bewussten Stilisierung und Künstlichkeit. Vor allem Sergei Rachmaninows „Ich fand Gefallen an meiner Trauer“ gestaltete sie zu einem Kabinettstückchen der genauen Charakterisierung und der feinen Zwischentöne. Gefallen an seiner Trauer zu finden: Ist das nicht eine poetische Umschreibung für große Kunst?
Im ersten Teil, vor der Pause, standen mit Schumann und Brahms deutsche Lieder auf dem Programm. „Ach wende diesen Blick“ op. 57 Nr. 4 von Johannes Brahms, gesungen von Yulia Sokolik, stellte ebenso sensibel wie expressiv eine noble Trauer aus: auch das große Kunst. Die ersten sieben Lieder aus Robert Schumanns berühmter „Dichterliebe“ op. 48 sang Daniel Moon betont kraftvoll, viril, aber auch mit dem nötigen Gespür für die feine Ironie der Heine-Gedichte.
