Berlin - Werdende Eltern können es nie allen recht machen, egal wie sie ihr Kind nennen. Der Name ist doof, er erinnert einen an eine garstige Tante, einen unterbelichteten Sandkastenkameraden oder einen sinistren Romanhelden. Doch bei dieser anstehenden Taufe geht es um Massenmord, um eines der schlimmsten Kapitel der Geschichte. Es geht um Adolf. Vielmehr um Adolphe.
Und um die Frage, ob man den neuen Erdenbewohner, der sich noch im Bauch der Französin Anna befindet, überhaupt so nennen darf. Was als launiges Abendessen bei Rotwein und guter Stimmung begann, mündet in ein Gefecht, bei dem alle Masken fallen. Darum geht es bei der „Der Vorname“, einer französischen Komödie, die Super RTL am Dienstag um 22.45 Uhr im Programm hat.
Klare Sache, der Sohn wird Adolphe heißen, sagt der werdende Vater Vincent, gespielt von Popsänger Patrick Bruel. Adolphe mit „phe“ und nicht mit „f“. Der feine Unterschied interessiert an diesem Abend bald niemanden mehr. Die Diskussion darum, ob man sein Kind so wie Hitler nennen darf oder nicht wird in der Familienrunde zum verbalen Schlagabtausch. Schmutzige Wäsche wird gewaschen. Und Dinge werden gesagt, die man besser für sich behalten hätte. „Der Vorname“ ist eine herrlich frische Gesellschaftskomödie nach einem erfolgreichen Bühnenstück.
„Zuerst haben uns die Deutschen Elsass und Lothringen weggenommen und nun auch noch unsere Vornamen“, scherzt Vincent (Bruel). Zu spät. Den Anwesenden ist das Lachen vergangen. Man nennt sein Kind nicht wie den Mann, der für eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts verantwortlich ist, auch nicht dann, wenn man den Namen in Frankreich mit „phe“ schreibt. Das höre sich ausgesprochen beides gleich an. Man wusste nicht, dass man in der Familie einen Nazi habe, heißt es scharf. Aus dem eigentlich gemütlichen Abend mit marokkanischen Leckereien und auserlesenem Wein beginnt, eskaliert in Bloßstellungen, falschen Verdächtigungen und unangenehmen Wahrheiten.
Die Komödie des französischen Filemacher-Tandems Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte ist ein Kammerspiel, das an Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ erinnert. Nur, dass die Geschichte hier in keine emotionale Metzelei ausbricht. Die Regisseure halten bei dem Kampf gekonnt das Gleichgewicht: nach tiefen Schlägen folgen immer wieder geistreiche und humorvolle Rückzieher.
Delaporte und de la Patellière adaptierten das von ihnen geschriebene Erfolgs-Bühnenstück für das Kino - was in Frankreich die Kassen klingeln ließ. Immerhin rund 100 000 Kinogänger sahen in Deutschland den Film. Nicht nur, weil zwei französische Stars mitspielen: Popsänger Bruel in der Rolle des selbstsicheren, ironischen Immobilienhais und Charles Berling als sein intellektueller Schwager Pierre. Die Geschichte bringt so manche Lebenslüge und charmantes Geheimnis an den Tag und sorgt für herzhafte Lachsalven.
Der Trailer in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln:
