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Theater Auf Tour Ein bisschen Horror auf Norderney

Norderney/Wilhelmshaven - „Schaffen wir die Fähre noch?“ Hektische Blicke zur Uhr, während der Bus an einer weiteren Ampel wartet. „Fünf Minuten“, sagt Peter Hilton Fliegel. Er ist Chefdramaturg der Landesbühne Niedersachsen Nord und begleitet das Ensemble auf der Reise nach Norderney. Zum letzten Mal wird dort „Der kleine Horrorladen“ gezeigt. Zwölf Spielstätten bereisen die Akteure jedes Jahr, doch die Fahrt nach Norderney ist immer etwas Besonderes – auch, „wenn das Reisen für uns eigentlich schon Routine ist“, sagt Fliegel. Als der Bus nach über einer Stunde endlich am Hafen in Norddeich eintrifft, greifen alle hastig nach ihrem Gepäck, verstauen Proviant und streifen sich Jacken und Mützen über.

Hektik und Entspannung

Kalter Wind dringt durch die Kleidung, das Thermometer zeigt sieben Grad, Tendenz fallend. Fliegel nimmt noch ein paar hastige Züge an seiner Zigarette, dann gesellt er sich zu den anderen an Bord. Im unteren Teil der Fähre machen es sich die Darsteller gemütlich. Schauspieler Ben Knop genießt derweil Kartoffelsalat und Würstchen. In ein paar Stunden wird er ein letztes Mal als Seymour auf der Bühne des Kurtheaters Norderney stehen. Die Fahrt mit der Fähre genießt der junge Mann. „Ich finde das lustig, das hat etwas von einer Klassenfahrt“, sagt er und schaut aus dem Fenster. Wellen peitschen gegen die Scheibe, das Schiff schaukelt leicht. „Hauptsache, der Seegang wird nicht so schlimm, das vertrage ich nicht so gut“, sagt Knop und streift sich durch das dichte Haar.

Mit an Bord ist eine bunte Truppe. Einige haben es sich auf den Sitzbänken gemütlich gemacht und kehren noch mal in sich, andere flachsen oder dösen. Von Nervosität ist bei Knop nichts zu spüren. „Ein bisschen Ablenkung tut gut“, sagt er, lächelt und blättert in seinem Textbuch. Fünf Rollen hat der 28-Jährige momentan im Kopf, „ich rufe den Text vorher immer noch einmal ab“, sagt er. Ob er Lampenfieber habe? „Das kommt immer auf das Stück an.“ Die Leidenschaft zum Theater hat der Schauspieler schon früh entdeckt. „Für meine Eltern war ein Theaterbesuch etwas Besonderes. Ich möchte, dass es den Zuschauern genauso geht, wenn ich spiele.“

Gern unterwegs

Von 2009 bis 2011 hat der gebürtige Berliner Gesang, Tanz und Theater an der Stage School in Hamburg studiert, seit der Spielzeit 2014/15 gehört er dem Ensemble der Landesbühne Niedersachsen Nord an – eine Stelle, auf die er durch einen Freund aufmerksam wurde. „Er sagte mir, dass sie noch einen Seymour für den kleinen Horrorladen suchen.“ Dass rund zwei Drittel der Aufführungen außerhalb Wilhelmshavens stattfinden, stört ihn nicht. „Mir macht das viel Spaß, ich mag die Abwechslung, auch, wenn es mal stressig wird.“

Plötzlich geht ein Ruck durch die Fähre. „Wir sind gleich da“, hallt es durch die Gänge. Beim Blick aus dem Fenster ist die Anlegestelle auf Norderney zu sehen. Kaum von Bord, huscht die Gruppe auch schon zum Bus. Fünf Minuten Fahrt sind es noch bis zum Kurtheater. Angekommen ziehen sich Knop und die anderen in die Maske zurück, einige nutzen die Zeit noch für eine kleine Stärkung.

Am Hintereingang zur Bühne stapeln sich Kisten mit Requisiten. Aus dem Lastwagen holen die Techniker das Equipment und bauen auf, während die Darsteller mehr oder weniger verkleidet durch den Backstage-Bereich huschen. In der Maske folgt noch der letzte Feinschliff.

„Um 19 Uhr ist Soundcheck, noch zehn Minuten“, sagt Peter Hilton Fliegel. Ben Knop schreitet unterdessen fertig geschminkt und verkabelt aus der Maske zur Bühne. Musik dröhnt los, das Ensemble spielt mehrere Szenen, dann gibt es grünes Licht für den Auftritt.

Knapp zwei Stunden dauert das Musical von Alan Menken und Howard Ashman, das Regisseur Andreas Kloos inszeniert hat. Während einer kurzen Pause herrscht Hochbetrieb in der Maske. Neu schminken, umziehen, erfrischen und letzte Textproben. Um kurz nach zehn ist alles vorbei, die Zuschauer verlassen zufrieden das Theater. Während sich die Schauspieler umziehen, verschwinden Technik und Kulisse in Windeseile im Lastwagen. Eine extra gemietete Fähre holt die Gruppe um halb zwölf wieder ab. Inzwischen ist es eisig kalt, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Glieder werden schwer. Bei der Überfahrt wird mit Sekt angestoßen. Bei starkem Seegang erzählt Fliegel von einer Panne: „Wir sind mal auf Grund gelaufen.“ An diesem Abend geht aber alles gut.

Erfolgreicher Abschluss

Erschöpft aber zufrieden steigt die Gruppe in den Bus nach Wilhelmshaven – Zeit für etwas Schlaf. Gegen ein Uhr nachts ist Ankunft, Ben Knop setzt seine Mütze auf und verabschiedet sich. Dieses Mal ist zwar Schluss, doch die Reise geht schon bald weiter.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft
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