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Zum 175. Geburtstag Von Karl May Ein bisschen revolutionär

Reinhard Tschapke

Radebeul/Oldenburg - Karl May ist bis heute ein deutscher Autor der Superlative: 94 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen den Autor, sagen Allensbach-Studien im Auftrag des traditionsreichen Karl-May-Verlages.

Selbst heute, im Zeitalter von Internet und Computerspielen, wissen fast 90 Prozent unter den Jugendlichen bis 16 Jahre mit Winnetou etwas anzufangen. Die Karl-May-Filme mit Lex Barker und Pierre Brice sind, obwohl in Ehren gealtert, die erfolgreichsten Spielfilmserien des deutschen Kinos.

Unvergessen die Sterbeszene von Winnetou, Blutsbruder Old Shatterhand hielt ihn in den Armen. Da blieb kein Kinderauge trocken. Zum Schmunzeln die Kabbeleien von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar im Orient. Herrlich wehmütig die – unter uns – kitschige Musik von Martin Böttcher. Selbst in der DDR, die May lange auf den Index setzte, hat man später Indianerfilme gedreht. Übrigens mit nur mäßigem Erfolg.

In der Jugend zu lesen

Die Winnetou-Parodie „Der Schuh des Manitu“ ist bis heute einer der erfolgreichsten deutschen Filme. Karl-May-Festspiele gibt es in Deutschland und Österreich. Und – noch so ein Superlativ – Mays Werke wurden in weit über 40 Sprachen übersetzt. Bis heute ist Karl May, glaubt man seinem Verlag, mit inzwischen fast 200 Millionen verkauften Büchern der meistgelesene Schriftsteller der deutschen Sprache.

Wobei man klar sagen muss: Dieser Schriftsteller wird wirklich gelesen. Wenn jemand bedeutungsvoll Goethe, Schiller, Büchner oder gerade die oben auf einer Bestsellerliste stehenden Werke als seine bedeutendste Lektüre anführt, sind wir uns nicht ganz so sicher.

Apropos Lesen: May muss man in der Jugend konsumieren. Wer die Bände um Kara Ben Nemsi (Karl, Sohn der Deutschen) und Winnetou nicht in der Jugend gelesen hat, wird sie als Erwachsener und Neueinsteiger kaum genießen können. Das liegt auch daran, dass zu dieser Art von Spannungs- und Reiseliteratur gehört, über den Stil hinwegzulesen und sich in eine Welt zu versetzen, in der ein wackerer Held wie Kara Ben Nemsi oder der lederne Old Shatterhand immer für den Sieg des Guten sorgt. Doch driftet Karl May nie (besser: äußerst selten) in den reinen Kitsch ab.

Sieg des Guten

Schon der Philosoph Ernst Bloch unterschied dazu fein zwischen Kitsch und Kolportage in der Literatur. Kitsch ist das, was wir leider viel zu oft im deutschen Fernsehen sehen. Kitsch ist sentimental, niedrig, simpel, einfach, um nicht zu sagen: dumm. Kitsch will uns die Welt schön verschleiern, das Elend zum Glänzen bringen.

Kolportage ist nicht abwertend gemeint, wenn es auch oft so klingt. Kolportage, ob von Friedrich Gerstäcker oder Karl May, setzt auf Abenteuer, auf den erkämpften Sieg der Guten und Vernünftigen, der Fleißigen und Ordentlichen.

Kolportage ist, zumindest als Literatur, ansehnlich. Kolportage hat sogar eine ordentliche Spur Revolution in sich. Was man im Falle Karl Mays durchaus verstehen kann: Das fünfte von 14 Kindern kam aus der Armut und schrieb sich in den Reichtum.

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