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Historie Ein Blick in Omas gute alte Stube

Uta-Maria Kramer

Düngstrup - Es sieht aus, als wäre die Zeit stehen geblieben: Das alte Kochbuch liegt aufgeschlagen da und verrät, wie man einen leckeren Puter brät, die Dose mit dem Idee-Kaffee und die abgestoßene Emaillekanne verbreiten Gemütlichkeit und die alte Tischdecke ist liebevoll bestickt.

Eine Reise ins vergangene Jahrhundert erwartet die Besucher des Hofes Hespe-Meyer in Düngstrup seit kurzem. Hier haben Gerda und Gerd Hespe-Meyer ein Kleinod geschaffen, das zu ausgedehnten Besichtigungstouren einlädt. „Die Idee dazu kam uns, als mein Mann den Hof seine ,Vizevetters’ Walter Reiners in Kleinenkneten geerbt hat und wir dort auf unzählige Überreste längst vergangener Zeiten gestoßen sind“, erinnert sich die Hausherrin, die vielen auch als talentierte Hobbykünstlerin bekannt ist.

Interesse an Historie

Reichlich mit historischem Interesse ausgestattet, machten sie und ihr Mann sich im vergangenen Jahr daran, den Nachlass auf dem altehrwürdigen Reinershof zu sichten. „Das glich manchmal wirklich einer Schatzsuche“, schmunzelt Gerd Hespe-Meyer. Da war zum Beispiel dieser dunkle Streifen auf der Tapete, den man erst sah, als der Schrank davor zur Seite gerückt war. Gerd Hespe-Meyer schnitt die Tapete vorsichtig auf – und entdeckte dahinter ein Geheimfach. „Wahrscheinlich hat Walters Vater Wilhelm Reiners dort im Krieg die Wertsachen in Sicherheit gebracht“, mutmaßt der glückliche Finder, der im Geheimfach auf Briefe, Münzen, Uhren und Familienschmuck stieß.

Der verstorbene Walter Reiners wusste davon wohl ebenso wenig wie von dem Säbel aus dem Ersten Weltkrieg, der ebenfalls bei den Aufräumarbeiten auftauchte – auch das ein Nachlass von Wilhelm Reiners, der laut Militärpass dem Ostfriesischen Feldartillerie-Regiment 62 angehörte, einem Artillerieverband der Preußischen Armee im Deutschen Kaiserreich.

Skurril ist auch die Geschichte, wie Gerd Hespe-Meyer das Geheimnis einer alten Medizinflasche von 1870 lüftete. „Die Glasflasche, die ich eigentlich schon längst entsorgen wollte, kullerte mir immer wieder vor die Füße, so dass ich schließlich neugierig wurde“, berichtet der Landwirt. Auf der Flasche entdeckte er eine Inschrift, recherchierte im Internet und fand heraus, dass es sich um eine Medizinflasche handelte, die 1870 in Chicago hergestellt wurde. „Die erste Frau von Wilhelm Reiners, Anna Dierßen, war kränklich und starb früh. Vielleicht war die teure Medizin aus Übersee ja für sie bestimmt“, mutmaßt der Düngstruper.

Staub und alte Schätze

Doch es gab auch Rückschläge bei der Sichtung der Antiquitäten. Ungern erinnert Hespe-Meyer sich zum Beispiel an das uralte Pflanzenschutzmittel, auf das er in einem unbeschrifteten Karton stieß und das ihm beim Öffnen entgegen staubte.

Da machte es schon mehr Spaß, Walter Reiners altes Taufkleid zu bewundern, in seiner alten Bibel zu schmökern, den mehr als 100 Jahre alten Altas seiner Mutter durchzublättern oder das vergilbte Schreibheft zu bewundern, in dem auf einer Doppelseite unzählige Male in kindlicher Schönschrift steht: „Du musst gehorsam sein.“

Doch in der „guten Stube“ in Düngstrup sind nicht nur Antiquitäten vom Reinershof, sondern auch von Gerd Hespe-Meyers Eltern und Großeltern ausgestellt. „Gerds Großmutter und Walter Reiners Mutter waren Schwestern“, erläutert Gerda Hespe-Meyer.

Das führt bei den Ausstellungsstücken zu witzigen Ergänzungen. So steht das alte Kaffeeservice von Gerds Großmutter Henni jetzt wieder neben dem passenden Teeservice von Walters Mutter Frieda. „Mit ganz alten Stücken konnten wir jedoch nicht dienen, da der Düngstruper Hof 1911 abgebrannt ist“, erläutert Gerd Hespe-Meyer.

Doch auch so blieb für ihn und seine Frau genug zu erkunden. Gerda eignete sich in den vergangenen Monaten sogar extra die Sütterlin-Schrift an, um die historischen Briefe entziffern zu können. „Das ist eine echte Puzzle-Arbeit, da die alten Buchstaben ja in jeder Handschrift anders aussehen“, verrät sie. Doch die Spannung bei der Lektüre der Briefe aus dem 19. Jahrhundert oder alter Poesiealben wiege das bei Weitem auf. „In einem alten Brief wird auf ein beigefügtes Biedermeier-Stickmuster verwiesen und dem konnte ich eine alte, schon abgenutzte Tischdecke aus unserem Fundus zuordnen“, begeistert sich die Hobbykünstlerin.

Viel Elan

Mit Elan arbeitet das Landwirtspaar derzeit an der Komplettierung der Ausstellung im ehemaligen Wohnzimmer der Familie. Alte Möbel wie Vitrinen und Hochzeitsbänke sowie Gebrauchsgegenstände wie Waschgeschirr, Nähmaschine, Kaffeemühle und Radio sollen um weitere Hingucker ergänzt werden. Als nächstes wollen die Hespe-Meyers einen historischen Kinderwagen aufarbeiten.

„Unser großes Wohnzimmer stand sowieso leer, weil wir vor allem den neuen Wintergarten nutzen“, verrät die Hausherrin. An Platz für Antiquitäten mangelt es somit nicht.

Wer einmal selbst einen Blick in die Schatzkiste werfen möchte, kann sich unter t   0 44 31/9 22 90 melden.

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