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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Fisch wird zum Außenseiter

27.03.2017

Oldenburg Im Fisch steckt viel. Viel Gesundheit, viele Gräten. Besonders viele im Barsch. Mit denen lassen sich sogar unbeholfene oder störende Menschen um die Ecke bringen. Man serviere ihnen Barsch. Sie werden garantiert eine Gräte verschlucken und daran ersticken. Klappt perfekt bei „Yvonne, Princesse de Bourgogne“. Darauf dann ein Lacrimosa intoniert – und am Hof von König Ignaz ist die Welt wieder in Ordnung.

Zweieinhalb Stunden lang geraten vorher jedoch Rahmenbedingungen wie: „Das erfordert der Anstand!“ ins Wanken. In der Yvonne-Oper des Belgiers Philippe Boesmans (80) von 2009 nach dem gleichnamigen Stück von Witold Gombrowicz von 1930 hält sich die Burgunder-Prinzessin nicht an solche Vorgaben. Das bringt die gefügte Welt ins Wanken.

Voller Respekt

Andrea Schwalbach hat „Yvonne” jetzt am Oldenburgischen Staatstheater für die deutsche Erstaufführung inszeniert. Das ist ihr inspirierend gelungen. Die Charaktere wirken in Überzeichnungen zwischen Abgründigkeit, Oberflächlichkeit, Clowneskerie und Menschlichkeit schlüssig. Metaphern erklären sich angenehm herausfordernd. Und Bühne und Kostüme von Anna Neuser schaffen eine anregende und ausgetüftelt detaillierte surreale Welt.

Yvonne (schön rätselhaft: Nientje C. Schwabe), linkisch und offenbar geistig geschwächt, verweigert sich allen Konventionen. Weil sie bis auf Ausrufe wie: „Hau ab!” immer schweigt, provoziert das in besonderer Weise.

Zum Bühnenhöhepunkt gerät die Szene, in der sich König und Hofstaat vor ihr verneigen, statt umgekehrt. Doch die fischhaltige Bühnenprojektion kündigt früh an: Ein Außenseiter-Fisch wird nie gegen einen ganzen Schwarm bestehen. Indes: Musik und Handlung entfachen nicht wirklich Begeisterung. Eher erfährt das eingängig groteske Werk eine respektvolle Achtung. Das mag auch daran liegen, dass es einen Rahmen einhält, der auf der Bühne in Frage gestellt wird.

Absurde Situationen? Ionesco oder Beckett grüßen. Eingängige Musik, die nicht weh tut? Klingt nach Debussy, Zemlinski oder Schreker. Trotz solcher Eklektik: Eigenständig und eindringlich wird die Musik dann, wenn sie die Pausen von Schweigen und Gegenschweigen der Akteure beredt macht.

Feste Gräten

Zudem lässt sich Boesmans gut singen, auch französisch. Das üppig besetzte Ensemble nutzt das einnehmend von kleinen Partien (Melanie Lang, Aarne Pelkonen, Timo Schabel, Ill-Hoon Choung) bis zum körperlich und stimmlich beweglichen Chor (Einstudierung: Thomas Bönisch). Überzeugend für das hohe Niveau stehen in den Hauptpartien des Abends Philipp Kapeller (Prinz Philipp), Sarah Tuttle (könnte als Königin Margarethe ihr schönes Tim­bre noch stärker mit in die Höhen nehmen), Tomasz Wija (König Ignaz) und Paul Brady (Kammerherr).

Vito Cristofaro legt mit dem Staatsorchester die Feinheiten der Partitur offen. Alles wirkt kompakt und intensiv illustrierend. Sie ziehen den Klangstrukturen sehr vorteilhaft festigende Gräten ein. Auf der Bühne finden sich davon mehr als in der Musik.

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