Oldenburg - Ein flaches, braunes Päckchen lehnte am 30. September an der Tür im Schlossinnenhof. Einen wertvollen Inhalt ließ es auf den ersten Blick nicht vermuten. Im frühen Morgengrauen musste es dort wohl jemand heimlich abgestellt haben. Bozena Moskwa, die Leiterin der Schlosskasse, entdeckte es und holte es in das Schloss.
Als man die Pappe vorsichtig entfernte, sah man ein bekanntes Antlitz: Peter Friedrich Ludwig, gemalt auf Leinwand in altmeisterlicher Manier. Provenienzforscher Dr. Marcus Kenzler untersuchte das 53 mal 70 Zentimeter große Bild ohne Rahmen. „Es war allerdings einmal gerahmt, das sieht man deutlich“, erläutert der Experte und berichtet auch von doublierter Leinwand mit Nagelung. Links unten auf der Rückseite fand er ein blau umrandetes Sammlungsetikett aus den 20er-, 30er- oder 40er-Jahren mit der römischen Zahl XIII. Kenzler geht davon aus, dass dieses Bild aus einer privaten Sammlung stammt und die Nummer 13 trug.
Obwohl das Bild keinerlei Signatur trägt, hat seine Untersuchung inzwischen ergeben, dass das Ölgemälde ein Original und 200 Jahre alt ist. „Ich vermute sogar, dass es von Georg Friedrich Adolf Schöner stammen könnte, der auch unser großes Porträt im Schloss von Peter Friedrich Ludwig gemalt hat“, berichtet Kenzler. Vielleicht sei es aber auch einer seiner Schüler gewesen.
Den Wert des Bildes hier im regionalen Markt taxiert er mit 3000 bis 5000 Euro. „Vielleicht ist es ein anonymes Geschenk“, sagt der Provenienzforscher, „vielleicht stammt es aber aus einem Diebstahl, da es nicht mehr gerahmt ist.“
Eingeschaltet wurde für alle Fälle auch die Polizei. Allerdings erinnerte sich Bozena Moskwa, dass ihr unlängst an der Pforte eine Frau erzählte hatte, sie habe ein Gemälde geerbt, das mit dem Schloss zu tun habe.
Damit das Werk in die Sammlung des Landesmuseums aufgenommen und eine Straftat ausgeschlossen werden kann, bittet die Polizei um Hinweise, Tel. 7904115.
