Ganderkesee - Vier Musikerinnen und ihr gemeinsames Interesse an altertümlicher Musik gaben dem Ensemble „Cinquefoil“ – „Fünfblättrig“ – den Namen. Unter dem Motto „une annèe, une vie“, also „ein Jahr, ein Leben“, wurden am Samstagabend von dem Quartett verschiedene Werke des 14. und 15. Jahrhunderts vorgetragen, sortiert nach Jahreszeiten als Sinnbild des Lebenslaufes.
Diese Ansammlung verschiedener Werke von Dufay, Lantins, Fontaine, Grenon und Gilles de Bin dit Binchois verlangt ein profundes musikalisches Können, um einer angemessenen historischen Aufführungspraxis gerecht zu werden.
Im akustisch ausgezeichneten Lichthof des Rathauses konnte Karin Gyllenhammar als Sopranstimme souverän überzeugen. Die Altstimme wurde von Julie Comparini gesungen, welche warm und einnehmend im Klang vortrug.
Drei historische Instrumente verlangten Carla Linné ihr ganzes Können ab: eine echte Fidel, eine Kleingeige und eine Rebec, deren feiner Klang besonders mit der von Susanne Pauker meisterhaft gespielten Laute harmonierte. Während der Vorführung verstimmten sich die Streichinstrumente mehrfach. Dies liege an den historischen Darmsaiten, welche je nach Luftfeuchtigkeit ihre Dehnung verändern würden, so Linné.
So klang es also im 14. und 15. Jahrhundert in den Kemenaten unserer Urahnen. Diese Zeitreise in den Alltag des späten Mittelalters bot sich hier auf beachtlichem musikalischen Niveau dar. Dass die beabsichtigte Dramaturgie nur ansatzweise zur Geltung kam, störte kaum jemanden.
Das Publikum im leider nur halb gefüllten Lichthof des Rathaus Ganderkesee spendete anerkennenden Applaus und verlangte dem Ensemble „Cinquefoil“ am Ende des Abends auch noch eine Zugabe ab.
