Kirchhatten/Sandkrug - Wenn Maike Horn-Körner auf den Dachboden ihres Hauses in Kirchhatten steigt, dann kommen die Erinnerungen wieder. Hier hängen noch viele der sensationellen Kostüme, die ihr Tanztheater „Hexenbesen“ für seine Auftritte auf der Neersteder Bühne genutzt hat.
Bunte Stoffe, elegant geschnitten, so dass sie den jungen Tänzerinnen gut passten. „Die hat alle Angelika Steffens, eine gelernte Modistin, geschneidert“, sagt Horn-Körner. Sie selbst war als studierte Balletttänzerin für die Choreographie der Stücke zuständig. Von 1990 bis 2008 gab es jedes Jahr ein neues Stück. Als Basis diente immer ein Märchen, das Maike Horn-Körner, meistens zu klassischer Musik, in Tanzschritte umsetzte. Den Anfang machte 1990 „Der Karneval der Tiere“.
Es war eine schöne Zeit und auch die Neerstedter Bühne erinnert sich noch gerne zurück: „Zahlreiche Aufführungen des Tanztheaters Hexenbesen in der Neerstedter Bühne jeweils vor Weihnachten ließen die Zuschauerzahlen nach oben schnellen“, stand anlässlich eines Rückblicks 2009 in der NWZ. 2008 hatte Maike Horn-Körner tatsächlich einen Schlussstrich gezogen, zu groß war der Aufwand für die jährlichen Stücke geworden.
Acht bis 18 Jahre waren die Tänzerinnen alt, viele machten über Jahre mit – obwohl Maike Horn-Körner ihnen viel abverlangte. Jeweils ab den Herbstferien wurde täglich geprobt, dazu kamen vier Tage, in denen die Gruppe von morgens bis abends arbeitete. Zu einigen der ehemaligen Hexenbesen-Tänzerinnen hat die Leiterin bis heute noch Kontakt. Sie selbst leitete bis vor Kurzem für die TSG Hatten-Sandkrug noch zwei Tanz- und Ballett-Kurse: montags in Kirchhatten, donnerstags in Sandkrug. Jetzt gibt sie auch diese Aufgabe, die sie vor über 30 Jahren begonnen hat, aus privaten Gründen auf.
Wenn sie erzählt, ist ihr Spaß am Tanzen und Ballett in jedem Satz zu spüren. Dennoch wirkt die Kirchhatterin nicht wehmütig. „Alles hat seine Zeit. Entweder man macht etwas richtig oder gar nicht“, lautet ihr Credo. Mit 18 Jahren relativ spät ins Ballettstudium an der Folkwang-Hochschule Essen eingestiegen – zuvor absolvierte sie eine Gymnastikausbildung in der Nähe Kiels – war ihr wohl stets bewusst, dass die Zeit zum Ausüben ihres Traumberufs nur von begrenzter Dauer sein kann.
Aufgewachsen in der Kreisstadt Eutin (Ostholstein), begann ihre Bühnenkarriere als Zwölfjährige. „Ich habe im Freischütz eine kleine Biene dargestellt“, erinnert sich die 72-Jährige lächelnd. Von da schaffte sie es mit viel Disziplin und Training bis zu Auftritten mit Tanzlegende Pina Bausch bei den Salzburger Festspielen („Rappresentatione di Anima, et di Corpo“, Oper aus dem Jahr 1600 von Emilio de’ Cavalieri) – und später ans Oldenburger Staatstheater.
Der Abschied der langjährigen Übungsleiterin ist für die TSG ein Einschnitt, der erst einmal verkraftet werden muss. Daraus macht Vorstandsmitglied Jürgen Steffens kein Hehl. „Wir sind ihr sehr dankbar für das, was sie geleistet hat.“ Eine Ehrung soll im nächsten Jahr auf jeden Fall folgen.
