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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Leben im Schnelldurchlauf

23.01.2017

Wilhelmshaven Die Zuschauer von „Luther – Rebell wider Willen“ sahen am Sonnabend Bild- und Stimmgewaltiges in der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven. Entsprechend feierten sie das Ensemble dieses Rock-Oratoriums zum Schluss der Premiere mit langanhaltendem Applaus, bei dem es kaum noch einen auf den Sitzen hielt. Mit der Inszenierung von Tatjana Rese zum Lutherjahr 2017 ist der Landesbühne Nord ein Glücksgriff gelungen.

Alles im Blick

Die Rockoper (Dramaturgie: Lea Redlich) erzählt alle wichtigen Meilensteine im Leben des Reformators: die Entscheidung, ins Kloster zu gehen, das schwierige Verhältnis zum Vater, seine Selbstzweifel und innere Zerrissenheit, die Veröffentlichung der 95 Thesen, der Reichstag zu Worms, seine Heirat mit Katharina von Bora, die Flucht auf die Wartburg und sein Tod.

Tatjana Rese hat ein kluges Konzept gewählt, um ein ganzes Lebens in etwas mehr als eineinhalb Stunden zu erzählen. Sie lässt Lucas Cranach (wunderbar: Ben Knop) in einer Art Rückschau berichten – er hatte den Reformator Zeit seines Lebens begleitet und gemalt. Dennoch lohnt es sich, vor dem Besuch der Produktion einen Blick ins Geschichtsbuch zu werfen und sich der Geschehnisse zu vergegenwärtigen. Das dürfte es erleichtern, der Handlung im vollen Umfang zu folgen.

Der Kirchenraum ist keine Theaterbühne und in Sachen Akustik eine Herausforderung, die überwiegend gemeistert wurde. Stellenweise war aber der Gesang – trotz aller Bemühungen des Ensembles, sauber zu artikulieren – schwer verständlich.

Bestens begegnet wurde möglichen Sichtproblemen, die sich in einem ebenen Zuschauerraum zwangsläufig ergeben. Regisseurin Tatjana Rese lässt ihre Akteure überwiegend auf einer Podesterie (Bühnenbild: Pia Wessels) spielen, so hat der Zuschauer alles im Blick.

Das zehnköpfige Ensemble leistet hervorragende Arbeit. Allen voran erweist sich Matthias Jahrmärker in der Rolle von Martin Luther als Idealbesetzung. Mit seiner sonoren und vollen Stimme füllt er bestens den Kirchenraum aus. Seine Erfahrung in Opernproduktionen lässt sich auch für den Laien erahnen und macht den Abend zum Genuss für die Ohren.

Sänger aus der Region

Dem stehen die weiteren Darsteller in nichts nach. Bas Timmers brilliert als perfider Teufel, Johannes Nepomuk als durchtriebener Schriftgießer Stephan, Emanuel Jessel begeistert besonders als Generalvikar Staupitz mit seiner fabelhaften Stimme. Er wechselt ebenso wie Christoph Sommer, Benjamin Muth, Stephanie Braune und Svenja Marija Topler in mehrere Rollen. Kristina Neuwert ist eine liebreizende Katharina von Bora und heilige Anna. Ein 16-köpfiger Chor (Leitung: Axel Scholz) mit Sängern aus der Region ergänzt das Ensemble.

Die Musik von Erich A. Radke spielt eine sechsköpfige Liveband. Der musikalische Leiter der Landesbühne hat sowohl Rezitative, kirchliche Chorgesänge als auch Rock- und Popelemente verwoben und dem Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ eine ganz eigene Variation gegeben, die überhaupt nicht fremd wirkt.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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