Burhave - Für ein Theaterstück wäre das Leben von Jeannette Brown zu aufregend. Die vielen Wendungen würden nicht wenige Zuschauer überfordern. Doch der verschlungene Lebensweg der 42-jährigen Deutsch-Amerikanerin hat ein Ziel: Er führt zum Theater – jetzt auch in Burhave.
Am Freitag, 19. Oktober, führt sie ab 21 Uhr im Haus des Gastes zusammen mit der 13-jährigen Burhaverin Luca Holland und einigen weiteren Darstellern ihr Stück „Zwischen Dir und Mir“ auf. Die Vorstellung gehört zur ersten Theaterwoche in den nächsten Gezeiten – und bis es auf die Bühne kommt, muss noch viel passieren.
Über den halben Globus
Jeannette Browns Lebensweg führt über den halben Globus. Geboren ist sie in Berlin, aufgewachsen bei Delmenhorst. Schon als Jugendliche entwickelte sie eine enorme Kreativität, schrieb Gedichte und malte. Bis jetzt hat sie mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Anfang der 90er Jahre lernte sie einen amerikanischen Soldaten kennen, heiratete ihn, folgte ihm in die USA, wurde Amerikanerin und bekam schnell ihren Sohn Kevin. Nach drei Jahren war die Ehe am Ende.
Der Scheidungsrichter verfügte, dass ihr Ex-Mann den gemeinsam Sohn 17 Jahre lang regelmäßig sehen darf, und deshalb konnte Jeannette Brown nicht zurück nach Deutschland. Sie arbeitete als Kindermädchen, studierte mit Hilfe eines Stipendiums in Hartford/Connecticut Computer-Technik, arbeitete kurz bei AOL/Time Warner – und wandte sich dann so komplett von der Computerei ab, dass sie heute nur noch in Ausnahmefällen einen PC benutzt.
Stattdessen schrieb sie sich an der Film Academy New York ein – wieder dank eines Stipendiums. Und sie heiratete ein zweites Mal. Doch auch diese Ehe ging schief. Sie zog ans andere Ende der USA, nach L.A. In der Filmmetropole war sie in einigen Filmen und Theaterstücken in Nebenrollen zu sehen, erzählt sie. Außerdem malte und verkaufte sie Bilder, fotografierte, schrieb Gedichtbände und Theaterstücke. „Ich habe genug verdient, dass wir beide davon leben konnten – selbst in L.A.“, sagt Jeannette Brown.
Zwei ihrer Stücke, „Walls“ und „Fallen Angels“, wurden einige Wochen lang in einem Theater aufgeführt. Ein Plakat in ihrer Wohnung erinnert noch daran. Doch als das Besuchsrecht ihres Ex-Mannes nach 17 Jahren ausgelaufen war, packte sie 2011 ihre Koffer und kehrte mit ihrem Sohn nach Deutschland zurück, zunächst nach Delmenhorst. Die Amerikanerin bekam eine Aufenthaltsgenehmigung, suchte eine Schule für ihren Sohn – und fand die Zinzendorfschule in Tossens, die schon mehrfach amerikanische Austauschschüler unterrichtet hatte. „Das war eine gute Entscheidung“, freut sich Jeannette Brown. Im Frühjahr hat 18-Jährige seinen Hauptschul-Abschluss erreicht. Jetzt will der junge Amerikaner sein Deutsch aufbessern, um im Schulsystem noch einen Schritt weiterzukommen.
Menschlichkeit verloren
Über ihren Sohn hat Jeannette Brown auch die 13-jährige Luca Holland kennengelernt, die in dem Stück „Reise in den Cyberspace“ der Zinzendorfschule eine Nebenrolle gespielt hat. In dem neuen Stück soll sie die tragende Rolle spielen. In dem etwa 45 Minuten langen Einakter „Zwischen Dir und Mir“ geht es um den Verlust der Menschlichkeit durch den Computer. Jeannette Brown hat das Stück auf Englisch geschrieben und übersetzt es jetzt ins Deutsche, die Musik will die TSB-Veranstaltungsleiterin Nora Werner schreiben. Im September sollen die Proben beginnen.
Das richtige Leben geht unterdessen weiter: Jeannette Brown arbeitet als Service-Kraft in der Nordsee-Lagune und will versuchen, die deutsche Staatsbürgerschaft zurückzubekommen, ohne die amerikanische aufgeben zu müssen. Schließlich ist ihr Sohn Amerikaner.
