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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Hollywood: Ein Leben voller Einsamkeit

06.05.2017

Frage: War Marlene Dietrich als Frau ihrer Zeit voraus?

Eva Gesine Baur: Sie war ihrer Zeit in jeder Hinsicht voraus. Sie gehörte zu einer Gruppe von Frauen, die sich einfach alles getraut haben. Marlene war eine Projektionsfläche für die Wünsche anderer Frauen. Das waren Frauen, die am Fließband ackerten und deren größter Wunsch es war, vielleicht mal irgendwo Privatsekretärin zu werden.

Frage: War sie eine Feministin?

Baur: Sie hat sich interessanterweise ein Leben lang dagegen gewehrt, mit solchen Begriffen bedacht zu werden. Marlene hat gesagt: Bleiben Sie mir von der Hacke mit diesem Gewäsch von Emanzipation. Aber gelebt hat sie das sehr wohl. Marlene Dietrich brach in Berlin nur in Begleitung eines Dienstmädchens in die USA, in ein neues, unbekanntes Leben auf. Ohne Mann oder Manager bestieg sie einen Dampfer nach New York, servierte dort knallhart einen aufdringlichen Film-Bonzen ab und fuhr mit dem Zug weiter nach Hollywood.

Frage: Welche Eigenschaften musste eine Diva damals mitbringen?

Baur: Außergewöhnlichkeit. Marlene war eine Aufbrecherin. Sie trug Hosen zu einer Zeit, in der man dafür als Frau auf offener Straße bespuckt und verprügelt werden konnte. Marlene hatte das Zeug zu einer Diva, weil sie etwas Neues verkörpert hat. In „Der blaue Engel“ verkörperte sie eine Frau mit einer sehr selbstbewussten Sexualität. In „Marokko“ trug sie einen Smoking und küsste eine Frau. Das war in den USA damals brisant und provozierend.

Frage: War die umschwärmte Dietrich ein einsamer Mensch, wie es der Titel Ihres Buchs „Einsame Klasse“ nahelegt?

Baur: Von außen betrachtet würde sie keiner für einsam halten, schon gar nicht, was Männer angeht. Im Besitz ihrer Tochter Maria Riva befindet sich eine Art Daily Reminder, in dem sie laut ihrem Enkel Peter Riva bis zu drei Liebhaber pro Tag aufgelistet hat. Dieses Notizbuch darf nach dem letzten Willen von Marlene Dietrich erst 25 Jahre nach dem Tochter ihrer Tochter, die Jahrgang 1924 ist und noch lebt, veröffentlicht werden. Daran erkennt man das große Bedürfnis von Marlene Dietrich nach Diskretion. Aber: Die große Zahl ihrer Liebhaber widerspricht nicht ihrer großen Einsamkeit. Wir können Marlene in all ihren Reaktionen nur begreifen, wenn wir es annehmen, dass sie sich einsam fühlte – nicht zuletzt auch, weil sie ein Leben lang Heimweh hatte.

Frage: Warum war sie so einsam?

Baur: Sie war eine hochmoderne Netzwerkerin. Sie hatte in allen Städten ihre Freunde und wusste, in welches Restaurant man geht und wo sich wer mit wem trifft. Sie sorgte immer dafür, dass in dem Netz keine Löcher entstanden, durch die sie hätte fallen können. Deshalb hat sie auch den Kontakt zu ehemaligen Liebhabern nie abreißen lassen. Aber sie hat sich dennoch als ungeheuer einsam erlebt. Ihre Tochter meinte, das sei eine Attitüde. Nach ausgiebiger Vertiefung in den Briefwechsel komme ich zu einer anderen Ansicht. Durch ihre Korrespondenz zieht sich die Einsamkeit wie ein Leitmotiv.

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