Rastede - Dieses Mal lohnt der Blick nach oben: Wer bei der neuen Ausstellung im Palais Rastede (siehe Infokasten) wirklich alle Arbeiten entdecken will, sollte nicht nur auf normaler Augenhöhe nach den Kunstwerken Ausschau halten. Dabei sollten Besucher allerdings aufpassen, wo sie hintreten, denn auch auf dem Boden finden sich Arbeiten des Künstlers Christoph Peter Seidel, der im Teutoburger Wald lebt. Grund dafür sind die zum Teil extremen Hoch- und Querformate.
Völlig neuer Aufbau
„Der Ausstellungsaufbau ist dieses Mal ein ganz anderer als sonst“, sagt Palais-Leiterin Dr. Claudia Thoben am Donnerstag bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung. Und auch die Technik, die Seidel anwendet, unterscheidet sich von der vieler anderer Künstler, die schon in Rastede ausstellten.
„Der Künstler arbeitet in den Raum hinein“, sagt Claudia Thoben. Er fasse seine Bilder als Objekte auf, was wohl auch an seiner Ausbildung als Bildhauer liegt. „Für die Ausstellung im Palais hat er ein Konzept entwickelt, das die Arbeiten mit der Architektur der historischen Räume, der Raumhöhe und Durchgänge in Beziehung setzt und in besonderer Weise die Fensterausblicke ,ins Grüne‘ des umliegenden Palaisgartens einbezieht“, sagt Claudia Thoben.
Viele Arbeiten des Künstlers, der zum ersten Mal in Rastede ausstellt, entstehen aus einem Nylongewebe, letztlich einem beschichteten Gardinenstoff. Dort trägt Seidel seine Farbe auf – ein spezielles Gemisch aus Acryllack, Acrylgel und Abtönfarbe.
Bilder auf dem Boden
Der Künstler legt das jeweilige Ausgangsmaterial auf den Boden und pinselt, träufelt, schüttet, tropft, spachtelt und spritzt die Farbe darauf. „Dieser Prozess wird jeweils nach dem Antrocknen gleich einem Ritual mit anderen Farbtöpfen wiederholt, so dass die Arbeiten eine große Tiefe und plastische Qualität erhalten“, schildert Claudia Thoben.
Bis ein solches Bild den gewünschten plastischen Effekt aufweist, kann es schon etwas dauern. „Da sitze ich mindestens einen Monat dran“, sagt Seidel, der am Donnerstag beim Aufbau half. Kraftarbeit war nötig beim Aufhängen eines zwei mal drei Meter großen Querformats.
Auch bei vielen weiteren Arbeiten waren Leitern erforderlich, um die Bilder in die richtige Position zu bringen. Schließlich soll sich der Blick nach oben für die Besucher der Ausstellung im Palais ja lohnen.
