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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Mann schöpft aus zwei Welten

08.05.2007

OLDENBURG OLDENBURG - Die charakteristische, zwischen „Lausbub und Mönch“ (Claude Rostand) changierende Ambivalenz in der Musik von Francis Poulenc (1899–1963) brachte nun Lambertikantor Tobias Götting in einer Poulenc gewidmeten Hommage beeindruckend in Oldenburgs Lambertikirche zur Geltung. Der Komponist hat die beiden Seiten seines Schaffens als Ausdrucksformen seines vielgestaltigen Wesens empfunden. Die „Sinfonietta“ für Orchester von 1947, über die er ein wahres Füllhorn melodischer Einfälle ausschüttet, in den schnellen Sätzen augenzwinkernd und ohne jede Oberflächlichkeit Jazziges und Populäres einbezieht, ist ohrenfälliges Beispiel.

Das Orchester „Sinfonietta Oldenburg“ – technisch auf hohem Niveau – wusste diese sprühende Musik mit auskostender Spielfreude und schillernden Orchesterfarben blendend in Szene zu setzen. Das Orchester ließ dennoch den hintergründigen Gehalt deutlich hervorscheinen.

Die andere, von tiefer Religiosität geprägte Seite von Poulenc zeigt sich in seiner erst spät verfassten Kirchenmusik, etwa im „Stabat Mater“ von 1950.

Göttings Lambertichor überzeugte mit Gestaltungskraft und größten dynamischen Kontrasten, dazu einer über die chortechnischen Schwierigkeiten dieser Musik erhabenen Notensicherheit. Solistin Britta Stallmeister nutzte ihren hell glänzenden Sopran zur hingebungsvollen Gestaltung.

Im ganz späten „Gloria“ von 1960 zum Beispiel lässt sich wohl am meisten finden aus beiden Welten, aus denen Poulenc schöpfte. Neben einen kecken Satz stellte Poulenc innige Abschnitte. Göttings Ausgestaltungen, Stallmeisters grandioser Gesang, die präsente, selbst im Forte noch sprachverständliche Kultur des Lambertichores und die transparente Präzision der Sinfonietta vollendeten dieses großartige Konzert.

Das Publikum in der voll besetzten Lambertikirche dankte mit begeistertem, minutenlangem Applaus.

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