Nordenham - Das neue Format „Fatalissimo“ geht in die zweite Runde: Am Freitagmorgen startete das Fatale-Team im alten Güterschuppen ihr „Theater der etwas anderen Art“ mit einer Matinee, am Sonnabend luden die Akteure zur Abendvorstellung ein. Sechs weitere Aufführungen sollen folgen. Der Raum dazu ist klein, aber fein hergerichtet: Nur 60 Sitzplätze an Vierertischen, aufsteigend angeordnet, gute Sicht also allzeit garantiert. Das Menü - leichte Theaterkost in drei Gängen, frisch und einmalig angerichtet, kurzweilig und abwechslungsreich serviert.

Als Vorspeise reichte das Ensemble eine Farce in drei Szenen – und natürlich wieder auf Nordenhams Tratsch-Carrée Nr. 1, dem „Wochenmarkt“. Zwischen Arthurs Fischbude und Tines Obststand bereiteten Rolf Wilkens und Elke Willhaus, Olaf de Grave und Susanne Hübler eine Yuppie-Mahlzeit und eine vegetarische Köstlichkeit aus jeder Menge heißer Luft und einem kräftigen Schlag gar/nichts.

Die heitere Wortspielerei rund um die „modern cuisine“ stammt aus der Feder des Dortmunder Autors Dr. Jörg Zierleyn, der sie exklusiv für die zweite Fatalissimo-Staffel zu Papier brachte. Schade allerdings, dass das Theater-Fatale-Team sich damit von ihrer ursprünglich Idee, den Nordenhamern hier vor der lokalkolorierten Klatschkulisse des lebendigen, wuseligen, geliebten Wochenmarktes aktuell den Spiegel vorzuhalten, weitgehend verabschiedete.

Zierleyns verbaler Schlagabtausch um Süßkartoffeln aus Madagaskar und Blutorangen mit saftigem Fruchtfleisch, selbst angepflanzten grünen Heringen und frisch lackierten Aalen war amüsant und hintergründig, doch für Kabarett zu wenig bissig, für Comedy ohne die erwarteten Schenkelklopfer. Der Applaus des Publikums blieb entsprechend verhalten. Vielleicht sollte Fatale hier noch ein wenig nachwürzen…

Es spricht für das Theater und seine beiden Regisseure Reinhard „Koopy“ Koopmann und Rolf Wilkens, dass sie in ihrer neuen Staffel bereit sind, selbst einen Schritt zurück zu treten, um im Hauptgang verschiedenen Künstlern der lokalen Musikszene eine Bühne zu bieten. Während zur Matinee am Freitag Vivien Carstens und Wiebke Reiners handgemachte Musik servierten, waren es am Sonnabend – auch wieder völlig ohne e-power – Lisa Schlesies-Janssen und ihr Vater Lothar von der Gruppe Jasch sowie Rainer Torkel mit irischen Balladen und Ohrwürmern. Schnell hatten die drei das Publikum für sich gewonnen. Dazu trug besonders Sängerin Lisa bei: Das Funkeln in ihren Augen, das breite, ungezwungene Lachen, die glasklare Stimme. „Ja, sie hat eine wirklich tolle Ausstrahlung!“

Den Nachtisch schmeckte dann wieder das Theater-Team ab – diesmal mit ganz feiner Zunge und peppigen Zutaten: „Hand am Po“ hieß die Ein-Akt-Komödie von Dieter Bauer und erzählte von sechs Menschen, die in einem Fahrstuhl stecken blieben. Während einer der Herren unter einem ungeheuren Termindruck leidet, steht Mama kurz vor dem Schreikrampf. Eine weitere Dame liegt mit dem zweiten Mann im Clinch, denn dessen rechte Hand touchte ihren Po. Last but not least mischt das liebe Töchterlein, hervorragend von der Nachwuchsschauspielerin Lynn Willhaus gemimt, mit ihrem nervtötenden Gebrüll auf. Ein toller Stoff für herrlich witzig-spritzige Dialoge, beste Mimik und pointierte Gags. Hier war das Theater-Fatale-Team wieder voll in seinem Element. Und die Zuschauer? Sie sind begeistert.