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Menschen Ein Prediger aus Leidenschaft

Jever - „Sonntags habe ich immer gern gepredigt – nun muss mich meine Frau irgendwie anders beschäftigen.“ Pastor Holger Harrack lacht, doch vermissen wird er seine Arbeit sehr. „Ich habe einfach schon immer gerne mitgemischt und bin ein leidenschaftlicher Prediger.“

Zwei Lebensabschnitte verbrachte der heute 62-Jährige in Jever. Denn er war hier von 1981 bis 1993 und von 2007 bis heute Pastor. Am 25. Januar hält er seinen letzten Gottesdienst und wird dann entpflichtet.

1952 in Wilhelmshaven geboren als Einzelkind „mit allen Vor- und Nachteilen“, so sagt Harrack, hatte er zunächst keinen besonderen Zugang zur Kirche. Dies sollte sich aber in seinem 15. Lebensjahr im Konfirmandenunterricht ändern. Harrack trat in die Banter-Kantorei in Wilhelmshaven ein – schon immer war er ein begeisterter Sänger. Dort lernte er auch seine jetzige Frau Ulrike Harrack Schöttler kennen.

Gute Basis für Religion

Zusätzlich zum Konfirmandenunterricht bekam Harrack eine gute Basis im Religionsunterricht. „Da wurde ich etwas für die kirchliche Gesellschaftspolitik sensibilisiert“, so Harrack. 1970 absolvierte Harrack sein Abitur, studierte dann in Bethel an der kirchlichen Hochschule sowie in Hamburg und Göttingen. 1975 schrieb er seine Examensarbeit und ein Jahr später begann er sein Vikariat in Varel-Obenstrohe. „Dort hatte ich einen eindrucksvollen Mentor, Pastor Hans Joachim Jürgens, von dem ich viel gelernt habe“, erinnert sich Harrack. „Das hat mich sehr geprägt.“

In Rastede war Harrack zunächst Hilfsprediger (Pastor zur Anstellung) und ab 1981 schließlich Pastor in Jever. „Ich war hier zuständig für die Kinderkirche, Kindertagesstätten, Konfirmandenzeit sowie die Seelsorge“, erzählt Harrack.

Im Jahr 1993 zog Harrack dann nach Wilhelmshaven-Altengroden. „Die generelle Empfehlung ist, nach 15 Jahren die Gemeinde als Pastor zu wechseln“, erklärt er. „Und meine Frau und ich waren auch so gestrickt, dass wir dachten: Jetzt können wir mal etwas mit einem anderen Horizont ausprobieren.“ Den Gottesdienst gestaltete Harrack dort anders. „Dort führte ich als Alternative die Thomasmesse ein – eine Anregung der finnischen Kirche.“

Bis 2007 blieb Harrack in Wilhelmshaven-Altengroden. „Dann empfand ich wieder einen Wechsel als angebracht“, meint er. „Aber nicht nur für uns: Manchmal verstehen sich die Menschen in der Gemeinde ja auch nicht immer besonders gut mit dem Pfarrer und empfinden dann ebenfalls einen Wechsel als angenehm.“ Zufällig wurde wieder in Jever eine Stelle frei und Harrack zog ein zweites Mal hierher.

Vermissen wird der 62-Jährige einiges, verrät er. „Zum Beispiel das Arbeiten in der Öffentlichkeit, mit vielen Menschen, aber auch, in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig zu sein.“ Neben seiner Arbeit als Pfarrer hat Harrack auch an Schulen einige Stunden Religionsunterricht gegeben. „Das war stets ein intensiver und lebendiger Austausch, das wird mir fehlen“, meint er.

Herausforderung steigt

Wenn er auf seine Arbeit zurückblickt, fällt ihm aber auf, dass sich Lauf der Jahre die Prägung und das Strickmuster der Christen verändert haben. „Es ist mehr und mehr eine Herausforderung, den Menschen in der heutigen Zeit die christliche Orientierung mit auf den Weg zu geben“, findet Harrack.

„Diese Entwicklung ist schade, aber jede Zeit hat ihre Form von Arbeit und das ist zeitgemäß und auch richtig“. Somit musste er oft an der Gestaltung der Gottesdienste arbeiten, um den Menschen den Inhalt nahe bringen zu können, erläutert Harrack. „Es galt, einen Spagat zwischen Tradition und ansprechendem und neuem Gottesdienst zu entwickeln“, sagt er. Zudem ist Harrack der Meinung, dass die Arbeit mit Kindern heutzutage etwas komplizierter geworden ist: „Früher hatten die Kinder oft mehr Zeit für außerschulische Aktivitäten“, meint Harrack.

Jetzt zieht das Ehepaar gemeinsam nach Erlangen. Eines ihrer Kinder hat dort studiert und bei einem Besuch gefiel es dem Paar dort sehr gut. „Außerdem ist ein Flughafen in der Nähe, so dass wir die Familie, die teilweise in England wohnt, schnell besuchen können“, erzählt Harrack. In seiner freien Zeit möchte er gerne Bücher lesen und gute Musik auflegen.

Zum Abschied fällt Harrack noch ein für ihn besonderes Bibel-Zitat ein: „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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