• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Ein Salon frisierter Gefühle

19.01.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T09:36:55Z 280 158

Premiere:
Ein Salon frisierter Gefühle

Oldenburg Hoch schlagen die Wogen, wild braust der Sturm, wenn der siegreiche Feldherr Otello mit seinem Schiff die Küste Zyperns ansteuert. Dirigent Roger Epple hat den Mut, die Elemente mit dem Staatsorchester fast zum Tsunami aufzupeitschen und im Chor am Ufer Entsetzen zu spiegeln. Und wenn die Wellen zum Luftholen kammermusikalisch fein auslaufen, dann zeigt der Kompass die Richtung: zu einer Premiere von Verdis „Otello“, die im Oldenburger Großen Haus ein Fest großer Musik und großer Stimmen wird.

Bei den Stimmen hat das Staatstheater eingekauft. Der Mexikaner Luis Chapa ist einer der gefürchtetsten Tenor-Rollen jederzeit gewachsen. Der titelgebende Feldherr mit privaten Eheproblemen braust dämonisch wild auf, verströmt tiefe lyrische Eleganz. Wenn der Mohr, hier mit weißem Teint, den Befehlshaber vorgibt, das Orchester aber in bebenden Triolen seine wahre Seelenlage malt, zählt das zu den Höhepunkten. Chapa weiß auch, dass der Otello gespielt werden muss.

Tief verschlagen

Der Schwede Krister St. Hill macht die Jago-Rolle zum Kabinettstück. Im Trinklied folgt seine Stimme den Tonart-Schwankungen mit einer oberflächlich wirkenden tiefen Verschlagenheit. Im Credo offenbart er sich als Ausgeburt der Hölle. Grandios meistert er die Intervallsprünge und lädt die Triller diabolisch auf. Otello, einen Klotz von Kerl, in kürzester Zeit rein durch Verleumdungen und Täuschungen zum Mörder der eigenen Frau zu machen – man glaubt glatt, dass das geht. Das beeindruckende Gegenstück zur Hölle verkörpert Angela Bic vom eigenen Ensemble als Desdemona. Sie spürt genau, wie viel Sentiment sie in diese leidende Unschuld einbringen muss, gerade im Lied von der Weide. Aber sie hat auch die Festigkeit, die jede Naivität verbannt.

Die Regie hält mit Verdis Extremen anfangs Schritt, verliert sich aber nach der Pause in Belanglosigkeit. Niklaus Helbling hat der persönlichen Tragik Platz in einem Frisiersalon reserviert. Für gesellschaftlichen Prunk öffnet sich die Kulisse (Bühne: Jürgen Höth). Im Salon werden Gefühle frisiert. Spiegel vervielfältigen Selbsterkenntnisse und Verblendungen. Doch vom dritten Akt an verbrauchen sich Spiegel-, Vexier- und Wahnbilder. Es wirkt, als komme die Regie von ihrer Nummer nicht mehr herunter. Sie wird zum Gefangenen der eigenen Idee. So muss Desdemona ihre Matratze in den Salon schleppen, damit Otello sie dort morden kann.

Exzellenter Chor

Der Regie zu unterstellen, dass sie zumindest nicht stört, wird ihr aber nicht gerecht. Sie lässt der Musik wunderbar freien Raum. Sie stellt die Charaktere plastisch heraus, führt die Personen logisch. So erlangen auch die anderen Figuren ihre Bedeutung: Stefan Heibach (stark als Cassio), Michael Pegher, Benjamin LeClair, Annekatrin Kupke, Henri Kiichli und Andreas Lütje, dazu der in allen dynamischen Weiten exzellente Chor.