Berlin - Er ist einer der fleißigsten und erfolgreichsten deutschen Theaterleiter: Jürgen Flimm. Er war Schauspielintendant in Köln und Hamburg, leitete Festivals wie die Ruhr Triennale und die Salzburger Festspiele. Und seit fünf Jahren ist er Intendant der Staatsoper Berlin, wo er 2018 von Martin Schulz, bisher Leiter des Mozarteums in Salzburg, abgelöst werden soll. Am 17. Juli wird Jürgen Flimm 75 Jahre alt.
Geboren wurde er 1941 in Gießen. Er wuchs in Köln auf, wo er Theater- und Literaturwissenschaft sowie Soziologie studierte. 1968 wurde er Regieassistent an den Münchner Kammerspielen. Bald inszenierte er an verschiedenen Theatern.
Schon früh interessierte er sich für Musik. Als Student hatte er Kontakt zu Komponisten wie Bernd Alois Zimmermann und Johannes Fritsch. Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“ (Unter der großen Sonne, von Liebe beladen) war 1978 in Frankfurt die erste Oper, die er auf die Bühne brachte.
Diese szenische Collage über Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, dieses „große Requiem auf verschollene Hoffnungen und das Scheitern von Utopien“ (Flimm), hat er dann 30 Jahre später in Salzburg noch einmal inszeniert.
1979 bereits wurde er in Köln zum ersten Mal Schauspielintendant. 1985 übernahm er das Thalia Theater in Hamburg, das er bis 2000 leitete und zum bestbesuchten Schauspielhaus der Bundesrepublik machte. Als Regisseur wurde er besonders für seine lebendigen Klassiker-Inszenierungen wie Kleists „Käthchen von Heilbronn“ oder Tschechows „Platonow“ gefeiert.
Von den 80er Jahren an wurde Flimm ein auch international gefragter Opernregisseur, sein häufigster Partner war der Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Flimm inszenierte unter anderem in New York, London, Mailand und Zürich, aber auch bei den Bayreuther Festspielen, wo er im Jahr 2000 Wagners „Ring des Nibelungen“ in Szene setzte. In den letzten Jahren verwandelte sich der erfolgreiche Theaterintendant in einen nicht minder erfolgreichen, wenn auch nicht ganz unumstrittenen Festivaldirektor, denn er tanzte gern auf zwei Hochzeiten gleichzeitig. So arbeitete er von 2005 bis 2008 für die Ruhr Triennale, aber ab 2006 auch schon für die Salzburger Festspiele, die er bis 2010 leitete.
Obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist – er hatte 2013 einen Schlaganfall – und in Berliner Medien neuerdings von Spannungen mit Barenboim die Rede ist, macht Flimm in der nächsten Spielzeit gleich drei Inszenierungen. Flimm ist auskunftsfreudig, er gibt Interviews auch zu Themen, die nichts mit der Oper zu tun haben. „Fußball ist mein schönster Zeitvertreib“, sagte er einmal.
