Basel/Oldenburg - Das im südöstlichen Teil Basels auf dem „Dreispitz“ gelegene Areal, das als „Freilager“ für den Zoll bekannt war, ist von der Christoph-Merian-Stiftung zu einem Kulturzentrum ausgebaut worden. Jetzt wurde dort das neue „Haus für elektronische Künste“ nach einjähriger Umbauzeit eröffnet. Es steht unter der Leitung von Sabine Himmelsbach (48), die in Oldenburg das Edith-Ruß-Haus zwischen 2005 und 2011 zu internationalem Ansehen verholfen hatte.
Mit HeK soll sie das „nationale Kompetenzzentrum für neue Medien“ schaffen. Das einstöckige Gebäude ist auf vielfältige Veranstaltungsformen ausgerichtet. Es öffnet sich mit einer überdachten Freiluft-Bühne. Hinter den Glastüren zur rechten Hand folgen ein schmales Treppenhaus und ein Foyer, durch das der Weg in einen großen Ausstellungsraum führt.
Über Treppen gelangen Besucher in den Keller, wo ein Veranstaltungsraum weitere Möglichkeiten der Präsentation bietet. Oder sie können aufwärts in das „Atelier Mondiale“ steigen, das nun zeitgleich eröffnet wurde. Die Ateliers dienen der Begegnung von Künstlern aus aller Welt und werden auch für die Pflege der Beziehungen und dem Austausch zwischen Basel, Freiburg und Mulhouse genutzt. An das Gebäude schließt sich das Kunsthaus Baselland an mit einem Ausstellungsraum. Die in Sichtweite gelegene Hochschule für Gestaltung und Kunst sorgt für Publikum.
Sabine Himmelsbach hat als ersten Aussteller im neuen HeK den japanischen Künstler Ryoji Ikeda eingeladen, der in dem großen schwarzen Ausstellungsraum einen Tsunami an Datenströmen eingerichtet hat. Die ganze Breite der Stirnwand wird von in ständiger Auf- und Ab-Bewegung gehaltenen, vertikalen Datenströmen besetzt.
Im Raum stehen neun Kästen, auf deren Oberfläche Ausschnitte des Datenflusses gezeigt werden. Was wie ein zuweilen plötzlich unterbrochenes Chaosfließen aussieht, kann freilich auch als Film eines Musikstücks gesehen werden, mit verschiedenen Klängen und Sequenzen, von einem starken Rhythmus getragen. Es ist freilich anstrengend, das Sehen in ein scheinbares Hören zu verwandeln.
In einem Nebenraum zeigt Ryoji Ikeda einen Videofilm mit Blicken auf die Erde und Vermessungen im All – und mit Fragestellungen nach Wissenschaft und Religion, die auf die Begriffe Raum und Zeit hinauslaufen. Beide sind „unendlich“: Der unendlich wirkende Datenstrom verselbstständigt sich. Dessen Wesen zu durchschauen, seine Einflüsse auf das Leben sichtbar zu machen, ist die Aufgabe des neuen Hauses für elektronische Künste.
