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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gruselige Premiere

21.11.2016

Oldenburg Was immer Amerikaner unternehmen, es gerät oft eine Spur zu irrwitzig. Entweder blasen sie Dinge riesig auf, wie die Popcorntüten beim Basketball. Oder sie pfeifen auf Traditionen. Der Kontinent ist jung, da leistet man sich das

Familie Otis aus Amerika bezieht in Schottland ihr neues Zuhause. Kein normales, wie es Mr. Hiram Otis, Miss Lucile, Tochter Virginia und den Zwillingen Washington und Abel anstünde. Eine normale amerikanische Familie in Schottland braucht ein unnormales Schloss. Dort stehen aber seit 400 Jahren Sir Simon de Canterville traditionell die Spukrechte zu. Neue Hausherren hat er stets verjagt, seit 1616. Gibt es da ein Problem? „Mach die Biege, du alter Knochen, du Käsegesicht“, bedeutet ihm die Family.

Damit nehmen die Komplikationen im Weihnachtsmärchen im Großen Haus des Staatstheaters ihren Lauf. Ekat Cordes hat „Das Gespenst von Canterville“ inszeniert. Matthias Grön hat nach der Geschichte von Oscar Wilde aus dem Jahr 1887 eine Bühnenfassung entwickelt, die drei Generationen erfreut. Am Sonntagnachmittag haben sie das schwungvolle, schrille und kurzweilige Stück bei der Premiere ausgiebig gefeiert.

Witzig gerät dieses Weihnachtsmärchen, ab und an des Nachdenkens wert und immer in einer schönen Schwebe zwischen gruselig, comedymäßig überdreht und zauberhaft. Die Bühne (Anike Sedello) spielt ihre Knalleffekte so ironisch aus, dass die Machart immer gerade halb erkannt, aber nicht ganz entlarvt wird. Das schafft nachhaltige Effekte.

Weihnachtsmärchen wird gruselig

Natürlich werfen die neuen Schlossbesitzer dem spukenden Sir Simon das mit dem „Käsegesicht“ nicht wortwörtlich an den Kopf. Aber sie lassen ihre lockere Einstellung das Gespenst sofort spüren. Ganz Geschäftsleute vom neuen Kontinent setzen sie beim alten britischen Adel gleich ihre amerikanischen Hausmittel in Dosensprühform ein. Motto: „The family that stays together, sprays together.“ Das bewahrt das Gespenst nicht davor, sich selbst zu fürchten und depressiv zu werden. Doch, klarer Fall, zu Weihnachten gehört auch der übelste Rumspuker erlöst.

Weitere Premieren-Berichte im Spezial

Richtige Paraderollen sind dem Ensemble zugeteilt. Matthias Kleinert als Sir Simon und Thomas Birklein als Butler Hubert Humble persiflieren den alten Adel auf der Insel prächtig. Charaktervoll in den anderen Rollen: Caroline Nagel (Haushälterin Margaret Umney), Leander Lichti (Unternehmer Hiram Otis), Nientje Schwabe (Gattin Lucile), Diana Ebert (Tochter Virginia), Tom Ohnerast und Janine Brandsch (Washington und Abel), Yassin Trabelsi (Lord Ceshire von nebenan).

Was machen Amerikaner am Ende mit einem spukfreien Schloss? Geschäfte! Sie laden Touristen zur Gruselshow auf Canterville ein.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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