Oldenburg - Gegensätze ziehen sich an: Auf der einen Seite Oldenburgs buntester Paradiesvogel, Dragqueen Gina Solera. Pinkfarbener Glitzer-Lidschatten, auftoupierte Perücke mit grün-pinker Haarfarbe, schrille Kleidung, hohe Absätze. Neben ihr im goldlackierten Sessel: Sebastian Borde alias Rapper KB-One, im gediegenen Style mit weißem Hemd, Fliege und Jackett.
Das ungleiche Paar, das sich zum Fototermin vor dem Weihnachtsbaum in den Schlosshöfen trifft, eint die Liebe zu einer ganz bestimmten Musikrichtung: Swing. „Wir mögen beide den Charme, den diese Musik versprüht“, sagt Gina Solera (35). Ihren ungewöhnlichen Duettpartner hatte sie im Juni dieses Jahres beim Streetart-Festival in Oldenburg kennen gelernt. „Als sie mir sagte, sie würde gerne einmal was in Richtung Swing machen, dachte ich erst, sie wollte mich auf den Arm nehmen, denn genau das hatte ich mir auch vorgenommen“, erzählt Sebastian Borde (25). Er war für seine deutschsprachigen Reime auf der Suche nach einer musikalischen Ausdrucksform außerhalb des Rap. „Sie hat mir den Kick gegeben“, freut sich Borde über die Unterstützung der Travestie-Künstlerin.
Klassiker aufgepeppt
Als „Versuchsobjekt“ wählten der Rapper und die Dragqueen einen Klassiker aus: „Booty Swing“ des österreichischen Elektroswing-Pioniers Parov Stelar, der das aus dem Jahr 1938 stammende Original von Louis Armstrongs Ehefrau Lil Hardin aufgepeppt hat. Ihrer mit Bigband-Hilfe neu arrangierten Fassung haben „KB-One“ und Solera noch ein bisschen mehr Tempo gegeben. Gina sang die Original-Lyrics im Studio eines Freundes in Delmenhorst ein, Sebastian Borde nahm den Rap-Refrain im Cubetribe Tonstudio in Oldenburg auf und verpasste dort dem Song den Feinschliff.
Mit einigen kurzen Hörproben hat das Duo die Reaktionen seiner Facebook-Fangemeinde getestet – nach durchweg positivem Echo wagten sich beide dann an die öffentliche Premiere: Die ging am 3. Dezember bei der Weihnachtsfeier der NWZ-Zustellgesellschaft über die Bühne. „Wären wir ausgebuht worden, hätten wir das Projekt zu den Akten gelegt“, sagt Solera. Das Gegenteil war aber der Fall: Die begeisterten Zuhörer forderten drei Zugaben – „ das hat Riesen-Spaß gemacht“, jubelt Borde.
Im nächsten Jahr wollen der Rapper und die Dragqueen mit „Booty Swing 2017“ durchstarten: Mitte/Ende Januar soll in der Oldenburger Innenstadt ein Videoclip gedreht werden, für den jetzt schon Komparsen gesucht werden, die sich per E-Mail an info@gina-solera.de anmelden können. Das Video soll an Gina Soleras Gute-Laune-Video aus dem Jahr 2014 anknüpfen, als sie die Oldenburger zu Pharrell Williams Hit „Happy“ tanzen ließ. „In unserem Video mitmachen wird auch der Grün-Gold-Club Bremen“, kündigt Gina Solera an. Gerade erst hat sich die Latein-Formation der Bremer Tänzer den Weltmeister-Titel gesichert. Die Profis von Grün-Gold hatte die Dragqueen bei einem gemeinsamen Auftritt im Rahmen von „Oldenburg tanzt“ kennen gelernt.
Lust auf „Supertalent“
„KB-One“ will im nächsten Jahr ein ganzes Album mit Swing-Titeln herausbringen. Einen Teil der Songs schreibt er selber, der Rest besteht nach dem Vorbild von „Booty Swing“ aus neu arrangierten Klassikern. Vom 5. bis 8. Januar wird das ungleiche Paar bei einer Fitness-Woche in den Schlosshöfen auftreten. Und auch auf die nächste Staffel von Dieter Bohlens TV-Show „Das Supertalent“ haben die swingenden Oldenburger ein Auge geworfen. „Der Dieter hat mir gesagt, bewirb’ Dich doch mal“, erzählt Gina Solera und lässt dabei ihre langen Wimpern kokett flattern.
