Rastede - Camille Saint-Saëns? Klar, das ist doch jener Komponist, von dem der „Karneval der Tiere” stammt, illustrativ und ironisch. Und diese Orgelsinfonie, ein wuchtiges Stück romantischer Spätdekadenz. Und ja, auch der klapprige „Danse macabre“. Überhaupt allerhand nettes Zeug. Doch sonst?

Wer das Trio Gaspard beim 22. Frühlingskonzert des Lions-Clubs Rastede in der ausverkauften Aula der Kooperativen Gesamtschule hörte, der erfuhr Anderes. Der Franzose (1835-1921) war nicht nur ein Vielschreiber. Mehr als die Vorurteile über ihn sagen, war der Pianist und Organist oft auch ein ausgesprochener Gutschreiber. Die drei Gaspard-Musiker führen das eindrucksvoll vor.

Die Übertragung der sinfonischen Dichtung „Orpheus” von Franz Liszt vom großen Orchester auf die Kombination Klavier, Violine und Cello verrät ausgeprägten Klangsinn und atmosphärisches Feingefühl. Und sein zweites Trio e-Moll op. 92 entpuppt sich als Meisterwerk in der Verbindung von kompakter Kompositionstechnik mit aufgeräumter und melancholischer Stimmung.

Der Grieche Jonian Ilias Kadesha (Violine), die Britin Vashti Hunter (Cello) und der Deutsche Nicholas Rimmer (Klavier) machten es den Hörern leicht, die Ohren stets gespitzt und die Neugier angespannt zu lassen.

Intensiv singen die Streicher die von Liszt schon als Solopassagen angelegten Kantilenen. Doch ebenso malen alle drei in der instrumentalen Sparversion die Klangfarben des Orchesters. Im e-Moll-Trio verbinden sie bezwingend Elegantes mit Sprödem und Beschwingtes mit Sperrigem.

Es sind eben oft die Seitenwege, auf denen eine Kammermusik-Formation ihre Qualität und Persönlichkeit entwickelt und festigt. Da sitzt auch eine zeitgenössische Komposition von 2004 maßgeschneidert: Mark-Anthony Turnages „A fast Stomp“, eine ruhelose, rhythmisch zugespitzte Akkordarbeit, die sich im Kreis dreht und dann zu Stille verebbt.

Der Individualstil der Gaspards prägt lebendig und klug auch Beethovens „Geistertrio“ (D-Dur, op. 70/1) und Schuberts Notturno (Es-Dur, D 879). Wenn bei ihnen die musikalische Führung hin- und herwechselt, treten die anderen Stimmen zwar zurück. Aber sie schieben dem jeweiligen Primus kein Ruhekissen unter. So wirken diese Personalstücke zwar schön, aber auch immer energiegeladen, drängend und bedrängt.

Diese unwirkliche Stimmung im langsamen Satz des „Geistertrios“ muss man erst einmal so aufbauen: Ein mystischer Schwebezustand, in dem der Klang gleichwohl Festigkeit erreicht.