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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Wunderkind der alten neuen Medien

04.05.2015

New York Die Rolle mit der größten Breitenwirkung war seine unbekannteste: Orson Welles war die Stimme des ominösen Robin Masters in der TV-Serie „Magnum“. Doch schon ein halbes Jahrhundert zuvor hatte er als 20-Jähriger mehr ausprobiert und erreicht, als andere im ganzen Leben - einschließlich dem Auslösen einer Panik. Welles ist eines der Wunderkinder des Radios und des Kinos, ja des 20. Jahrhunderts. Er machte das berühmteste Hörspiel der Radio- und einen der legendärsten Filme der Kinogeschichte. Vor 100 Jahren (6.5.) wurde er in den USA geboren.

Warum ist er heute weniger bekannt als Spencer Tracy und Clark Gable, warum ist sein Gesicht weniger vertraut als das von Humphrey Bogart oder Cary Grant? Dabei beherrschte Welles die neuen Medien der damaligen Zeit wie kein zweiter. Er, der eigentlich ein Theatermann war. Der immer spielte - wenn nicht gar täuschte.

Die Liebe zur Kunst hatte Welles von seiner Mutter, einer Pianistin, die vier Tage nach seinem neunten Geburtstag starb. Der Sohn versuchte sich am Theater und gab sich in Irland als Broadwaystar aus. Die Iren waren skeptisch, ließen ihn aber spielen. Und Welles begeisterte das Publikum - mit 16. Zurück in den USA hatte er tatsächlich am Broadway Erfolg. Er inszenierte auch Stücke und wurde zum bekannten Radioschauspieler.

Und dann kam „Krieg der Welten“. „Wir unterbrechen das Programm für eine Sondernachricht!“, hieß es 1938 aus dem Radio. Auf dem Mars seien Explosionen beobachtet worden, aber so schlimm werde es schon nicht werden, erst einmal Musik. Dann kamen weitere Sondermeldungen. Marsianer seien gelandet und würden alles anzünden und vergiften. Ein verzweifelter Krieg um das Überleben der Menschheit schien zu entbrennen - der praktischerweise kurz vor den 21-Uhr-Nachrichten gewonnen war. „Unser Radiotheater hatte sich im Busch versteckt und laut „Buh!“ gerufen“, gab Welles den Hörern mit in die Halloween-Nacht.

Aber kam es wirklich zu der oft berichteten Massenpanik? Über ein paar Dutzend besorgte Anrufe bei der Polizei ging es wohl nicht hinaus. Aber die Wirkung blieb: Als drei Jahre später das Radio meldete, die Japaner hätten mitten im Frieden die mächtige Marinebasis Pearl Harbor in Schutt und Asche gelegt, dachte mancher, dass sich das doch wieder dieser Welles ausgedacht habe.

Bei dem Radio-Meisterstück war er übrigens 23. Da hatte er schon eine erfolgreiche Karriere als Broadway-Produzent hinter sich. Und in Hollywood drehte er mit 26 den Film, der als bester der Filmgeschichte gilt: „Citizen Kane“, die Story des Medienmoguls Charles Kane, in dem leicht Zeitungszar William Hearst zu erkennen ist. Der Film floppte, die Kritik verriss ihn - damals. Und trotzdem: Auf der regelmäßig von Kritikern und Regisseuren gewählten Top Ten des britischen Fachjournals „Sight & Sound“ belegt er seit einem halben Jahrhundert Platz 1. Und Welles, der auch die Hauptrolle spielte, wurde mehrfach zum „größten Regisseur aller Zeiten“ gewählt.

Von den weiteren Filmen sind „Othello“ und natürlich „Der dritte Mann“ die bekanntesten. Die Agentenstory aus der Wiener Unterwelt ist ein weiterer Klassiker der Filmgeschichte. Welles reiste um die Welt, drehte in Europa und in Hollywood, wieder in Europa und wieder in Hollywood. Jeder Film, jede Rolle war etwas besonderes - aber nicht mehr so ein Paukenschlag wie „Krieg der Welten“ und „Citizen Kane“.

Welles machte seltsame Whiskey-Werbespots in Japan, die offenbar Vorlage für die Szene in „Lost in Translation“ waren. „Ich will immer höchste Perfektion“, sagt er darin, am Glas nippend. Und so war Welles. Immer alles perfekt. Und immer ein Glas oder ein Teller in der Nähe. Denn das Genie betrieb Raubbau an seinem Körper. Er arbeitete wie er aß; exzessiv. Jahrzehnte litt er unter Fettleibigkeit. Am 10. Oktober 1985 gab er noch ein Interview: „Ich bin nicht unbedingt ein glücklicher Mensch. Aber ich habe meine Freuden“, sagt er, und: „Ich hatte viel Glück in meinem Leben.“ Zwei Stunden später versagte sein Herz.

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