Hude - Leicht fiel es Kellnerin Anja Gutendorf nach achtzehneinhalb Jahren nicht, am Sonntag zum allerletzten Mal das traditionelle Frühstücksbüffet im Gasthaus „To’n drögen Schinken“ zu eröffnen. Auch Martel Heier, die 33 Jahre dort gekellnert hatte, war, so wie viele andere Ehemalige, an ihrem einstigen Arbeitsplatz erschienen.

111 Gäste hatten sich am Vormittag in dem Traditionsgasthof am Reiherholz eingefunden, um noch einmal nach Herzenslust zu schlemmen und von den Betreibern Werner und Gisela Ellinghusen sowie ihrem treuen Team Abschied zu nehmen. Und die Mitarbeiter hatten sich für diesen Tag etwas ganz Besonderes ausgedacht: „Eine Ära geht zu Ende“ stand auf den zu diesem Anlass bedruckten und mit Unterschriften von allen versehenen T-Shirts.

Tränen vergossen wurden in den Wochen zuvor bereits zur Genüge, wenn Vereine oder Stammgäste sich mit Blumen und Geschenken für die jahrzehntelange gute Bewirtung bedankten. „Immer wieder wurden wir angesprochen, uns den Entschluss zu verkaufen, noch einmal zu überlegen. Leicht war das für uns nicht“, sagt Gisela Ellinghusen.

Viele Feiern, von der Hochzeit bis zur Beerdigung, haben sie und ihr Mann in all der Zeit ausgerichtet. Die Wirtin erzählte von einem Ehepaar, das seit seiner Silberhochzeit regelmäßig alle Ehrentage im Lokal gefeiert habe. Sehr leid tat es ihr denn auch, dem Paar für den 70. Hochzeitstag im kommenden Mai eine Absage erteilen zu müssen.

Überraschend war das Ende – so schwer es auch ist –jedoch nicht gekommen. Eine Renovierung wäre dringend notwendig gewesen. „Doch das war finanziell nicht machbar“, begründet der erfahrene Gastwirt den Entschluss. Bereits vor zwei Jahren begann man, nach einer Lösung zu suchen. „So ist es am besten. Es war der richtige Moment, die Reißleine zu ziehen“, ist Werner Ellinghusen überzeugt. Er und seine Frau führten den Drögen Schinken in vierter Generation seit 44 Jahren.

Werner Ellinghusens Urgroßvater Hermann begann 1864 am hiesigen Standort zu bauen. Er betrieb dort einen kleinen Krämerladen und eröffnete 1870 die Bauernstube im vorderen Bereich. Von den Schinken, die damals von der Decke hingen, erhielt das Lokal seinen Namen. Später wurde immer wieder an- und umgebaut.

In dem Saal, in dem mehr als 100 Personen Platz finden, werden bald Pferde stehen. Die vielen Antiquitäten und Einrichtungsgegenstände, die die Gemütlichkeit ausmachten, werden alle versteigert. Aber das passiert erst Anfang kommenden Jahres, verrät Werner Ellinghusen, der sich genau wie seine Frau Gisela noch einmal bei allen Mitarbeitern, Vereinen, Stammkunden, Nachbarn und Lieferanten für die jahrzehntelange Treue bedanken möchte.

Ein totaler Abschied, auch wenn der Dröge Schinken bald neue Besitzer hat, wird es für Ellinghusens jedoch nicht.

Werner Ellinghusen wird künftig in dem Café mitarbeiten, das zu dem Pferdehof gehören soll. Gisela Ellinghusen möchte sich um die Außenanlagen kümmern. Und vielleicht hat das Paar dann auch einmal Zeit, bei einem allerersten Urlaub die Welt zu erkunden.