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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eine alte Kröte für alle Fälle

03.11.2016

Oldenburg /Stockholm Krimi-Autoren aus dem hohen Norden haben ein eigenes Genre geprägt: den Schwedenkrimi. Und wie es aussieht, sind einige Kollegen von Stieg Larsson oder Henning Mankell aus der Kinderbuchsparte der Ansicht, dass man mit der Verbrechenslektüre gar nicht früh genug anfangen kann.

Ulf Nilsson (68) und Martin Widmark (55) sind zwei dieser ebenso populären wie erfolgreichen Kinderkrimi-Autoren. Beide sind sie auf der 42. Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) mit dem Länderschwerpunkt Schweden vertreten, die an diesem Sonnabend startet.

Nilsson hat mit seinem Kommissar Gordon, einer behäbigen Kröte mit einem offenkundigen Faible für Muffins, und der fixen, kleinen Maus Buffy an dessen Seite, ein ganz eigenes Universum geschaffen, das alle klassischen Krimimerkmale trägt – Tatort und Ermittlungsarbeit, Motiv- und Spurensuche. Im ersten Fall beispielsweise wurden einem Eichhörnchen alle Nüsse gestohlen. Gedacht sind die Krimis für Kinder ab sechs, in einem schwedischen Theater werden die Geschichten sogar einem noch jüngeren Publikum präsentiert.

„Alle Kinder sind neugierig und lieben es, wenn etwas Mysteriöses geschieht“, erklärt Ulf Nilsson am Telefon. In seinen Büchern verzichtet er bewusst auf die Darstellung von Gewalt oder von Kriminellen. Warum er aber ausgerechnet auf eine dicke alte Kröte als Kommissar verfallen ist, kann der 68-Jährige nur versuchsweise begründen: „Vielleicht, weil ich mich manchmal selbst wie eine Kröte fühle.“ Daher kann man den Froschlurch mit dem Autor und die kleine Maus mit dem Leser gleichsetzen.

Kibum-Eröffnung

Viele Bücher des Schriftstellers Ulf Nilsson, darunter die drei Bände mit „Kommissar Gordon“ (Illustration: Gitte Spee, 11,95 Euro), sind im Moritz Verlag (Frankfurt/Main) erschienen.

Sein Kollege Martin Widmark bringt die Reihe „Detektivbüro LasseMaja“ im Beltz Verlag (Weinheim) heraus. Zuletzt erschien im Januar „Das Fahrradgeheimnis“ (Illustration: Helena Willis, 7,95 Euro).

Die 42. Kibum wird an diesem Sonnabend um 15 Uhr im Oldenburger Kulturzentrum PFL eröffnet und dauert bis zum 15. November. Ulf Nilsson und Martin Widmark werden aus ihren Büchern lesen. Öffnungszeiten: mo. bis fr. 8:30–19 Uhr, sa./so. 10– 19 Uhr.

Komplettes Programm unter

Komplettes rogramm unterwww.kibum-oldenburg.de

Oder aber mit Nilssons eigenem, fast elfjährigen Sohn, für den er viele seiner Bücher geschrieben hat und dem er stets die frisch zu Papier gebrachten Kapitel vorliest. Obgleich er bedauernd zugeben muss, dass dieser kein allzu großer Fan von ihm ist: „Bei uns zu Hause ist die Konkurrenz so groß, weil seine Mutter auch Schriftstellerin ist und wir so viele Bücher haben.“

Direkte Inspirationsquelle war für ihn nicht etwa Astrid Lindgren (1907–2002), mit deren Büchern er aufgewachsen ist, sondern Erich Kästner (1899– 1974) mit seiner Kinderbuchreihe „Emil und die Detektive“, die Nilsson als 21-Jähriger verschlungen hat. „Ich wollte exakt dasselbe tun“, sagt er rückblickend.

Ebenso erfolgreich wie Ulf Nilsson ist sein schwedischer Kollege Martin Widmark mit seiner Serie „Detektivbüro LasseMaja“, das in dem kleinen Städtchen Valleby knifflige Fälle löst. Die beiden Kinder Lasse und Maja geraten in jedem neuen Buch – in Schweden sind es schon fast 30 Bände – rasch in einen neuen Kriminalfall, ermitteln emsig in alle Richtungen und liefern am Ende dem örtlichen Polizeichef die Lösung. Und Valleby wächst und wächst, mit jedem neuen Fall kommt ein weiteres Gebäude dazu. Inzwischen musste der Stadtplan auf zwei Doppelseiten erweitert werden.

Der 55-jährige Autor, der zehn Jahre lang als Lehrer für die Mittelstufe gearbeitet hat, setzt sich in Schweden stark für die Leseförderung ein. Er sei „unendlich wichtig“, sagte er einmal in einem Interview, dass alle Mitglieder einer Gesellschaft lesen. Trotz der gewaltigen Konkurrenz durch Smartphone und Computer. In Schweden habe man schon früh damit begonnen, Kinder zum Lesen anzuhalten. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts, so Widmark, sei ein entsprechendes Gesetz erlassen worden, demzufolge jedes Kind das Lesen und Schreiben erlernen soll.

Kein Wunder, dass schwedische Autoren am liebsten spannende Geschichten erzählen. Wie könnte man Leser jeden Alters auch besser fesseln als mit einem ungelösten Kriminalfall.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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