Cloppenburg - Die Neunziger waren das Jahrzehnt von Pur. Rund zwanzig Jahre nach ihrer Gründung 1975 spielte die Band aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen vor mehr als 60 000 Fans im ausverkauften Düsseldorfer Rheinstadion. Musikpreise und goldene Schallplatten räumten die Schwaben in jener Zeit wie am Fließband ab.
4000 Menschen kamen am Freitagabend zu dem Open-Air-Konzert auf dem Cloppenburger Marktplatz. Und obwohl nun alles eine Nummer kleiner ist, merkte man der Formation die Lust förmlich an, ihr Publikum unterhalten zu wollen.
Und ob man nun Pur mag oder nicht: Tatsache ist, dass die meisten Menschen zwischen 30 und 50 Jahren Lieder wie „Lena“, „Abenteuerland“ oder „Funkelperlenaugen“ aus ihren wilden Zeltfeten-Zeiten irgendwie mitsingen können. Die Gruppe trifft einfach den Massengeschmack, sie wäre sonst nicht eine der kommerziell erfolgreichsten deutschen Bands aller Zeiten. Und außerdem ist Pur eine richtig tolle Live-Band mit sehr guten Musikern – Sänger Hartmut Engler schaffte es am Freitag immer wieder, das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren.
Und so springt ruck-zuck der Funke auf die Fans über: Pur-Konzerte haben im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends etwas von einem Familientreffen. Viele verwaschene Fan-Shirts zeugen davon, dass ihre Träger nicht erst seit gestern treue Fans sind.
Als Besitzer eines nagelneuen Pur-Textils mit allen Autogrammen präsentierte sich unterdessen Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese. Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, bedankte sich der Verwaltungschef vor allem bei den Sponsoren des Cloppenburger Kultursommers, die den Auftritt von Pur erst möglich gemacht hätten.
Zwei Zugaben mit insgesamt sieben Songs spielen die Musiker an diesem Abend noch. Zu dem Song „Parkbank“ holt sich Engler Lisa aus dem Publikum auf die Bühne. Frauenschwarm Engler – der inzwischen auch schon 51 Lenze zählt – zeigt sich einmal mehr von seiner charmanten Seite.
Richtig glücklich ist an diesem Abend auch Stadthallen-Manager Günther Rump. Das schlechte Wetter bis Ende Juni hatte ihm einen durchwachsenen Vorverkauf beschwert, bevor die Sonne in den vergangenen drei Wochen noch die Wende brachte.
Vor dem Konzertgelände haben es sich unterdessen einige Fans gemütlich gemacht, die keine 39,50 Euro Eintritt zahlen wollten. Dass ansonsten an nichts gespart wurde, bewies eine Gruppe Frauen, die die Bank vor dem City-Möbelhaus mit einer Tischdecke verschönert hatte. Anschließend wurde Prosecco – stilecht in Sektgläsern versteht sich – kredenzt.
