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Roman von Alex Capus „Susanna“ – eine Frau geht ihren Weg

Torben Rosenbohm
Alex Capus greift in „Susanna“ zu einem historischen Vorbild.

Alex Capus greift in „Susanna“ zu einem historischen Vorbild.

Mergime Nocaj

Oldenburg - Das literarische Abtauchen in historische Welten ist dem Schriftsteller Alex Capus alles andere als fremd. In seinen Romanen nimmt er gerne und gekonnt Bezug auf vergangene Ereignisse und Personen, und nicht anders verfährt er in „Susanna“, seinem jüngst erschienenen neuen Werk. Dass sein Verlag die Leserschaft dabei fast auf die falsche Fährte lockt, soll zunächst einmal ausgeblendet werden.

Mit einem kraftvollen Auftaktkapitel führt Capus bildreich in die außergewöhnliche Geschichte ein. Susanna Faesch, so hieß seine Protagonistin gebürtig, bevor das historische Vorbild später in der neuen Heimat den Künstlernamen Caroline Weldon annahm, tritt „an einem Januarmorgen […] an der Hand ihrer Mutter aus dem Haus“ und in eine fulminante Szenerie hinein. Bei einer traditionellen Darbietung im schweizerischen Basel fühlt sie sich bedroht und sticht kurzerhand dem Darsteller ein Auge aus.

In der Folge begleiten wir Susanna durch ihr Leben, das sie zunächst wie auf der ersten Seite an der Seite der Mutter führt und später mehr und mehr in die eigene Hand nimmt. Die familiäre Bande gerät ins Wanken, folgenschwere Entscheidungen müssen getroffen werden.

Eindrucksvolle Studien

Lesung

Alex Capus liest am Montag, 19. September, um 20 Uhr aus seinem Roman „Susanna“. Karten für die Veranstaltung im Theater Laboratorium (Kleine Straße 8) gibt es in der Buchhandlung Isensee (Haarenstraße), Reservierungen unter Telefon: 0441/36142410.

Capus liefert aber nicht nur Einblicke in Susannas Lebenswelt, sondern zeichnet auch eindrucksvolle Charakterstudien der anderen Personen. Oft nimmt er sich viele Seiten Zeit, um den Vater oder Freunde der Familie vorzustellen; nicht alle bleiben dauerhaft an Susannas Seite. „Inzwischen hörte dem Vater niemand mehr zu“, heißt es an einer Stelle: Der vermeintliche Familienpatron verfällt regelmäßig in einen Redeschwall, den seine Frau mit einem imaginierten Klassikkonzert im Kopf souverän weglächelt.

Tiefgreifende Entschlüsse werden in dieser im 19. Jahrhundert spielenden Geschichte von Capus in oft meisterhaft-knappen Dialogen skizziert: „Ich denke daran, nach Amerika zu fahren“, sagt irgendwann Susannas Mutter zu ihrem Gatten, der dieses Mal nicht zu langen Sätzen ausholt, sondern nüchtern fordert: „Wenn du gehst, musst du mir eines versprechen“, holt er kurz aus, und schließlich: „Dass du nie mehr wiederkommst.“

Umzug nach Amerika

Und so landen Susanna und ihre Mutter tatsächlich in Amerika, nach einer „Reise ohne Wiederkehr“. Capus erzählt meisterhaft von der weiteren Entwicklung, die auch und vor allem zu einer großen Emanzipationsgeschichte wird. Immer im Mittelpunkt: Susanna. Die sich gesellschaftlichen Realitäten stets hinterfragend nähert, die sich für andere Menschen interessiert und ihre zeichnerischen Porträt-Künste verfeinert.

Und ganz am Ende, aber wirklich erst dort, kommt Sitting Bull ins Spiel, und wir erleben das Aufeinandertreffen von Susanna und ihrem Sohn mit dem Mann, den das historische Vorbild tatsächlich porträtiert hat. Dass der Verlag dies in seinem Klappentext zum praktisch einzigen Inhalt des Buches, das zu den stärksten des bisherigen Literaturjahres zählt, auserkoren hat, ist mindestens rätselhaft.

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