Friesoythe - Momo würde sich freuen. Die Titelfigur aus Michael Endes gleichnamigen Kinderbuchklassiker kämpft gegen die grauen Herren, die die Zeit stehlen wollen. Aber an diesem Wochenende gibt es eine zusätzliche Stunde für alle: Die Uhren werden von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgedreht. Es ist Winterzeit. Doch was kann man Sinnvolles mit dieser zusätzlichen Stunde tun?
„Es ist eine gute Gelegenheit, denjenigen zu ehren, der uns die Zeit geschenkt hat“, sagt Pfarrer Michael Borth, Dechant der Pfarrgemeinde St. Marien. „Ein Gottesdienst dauert eine Stunde. Wer in diesem Jahr vielleicht nicht so oft in der Kirche war, könnte sich diese Stunde Zeit nehmen“, sagt der Geistliche.
Ferdinand Cloppenburg, Vorsitzender des Heimatvereins Friesoythe, sieht Zeit vor allem als ein wichtiges Geschenk an: „Ich bin 81 Jahre alt, da ist man dankbar für jeden Tag. Da ich viele Ehrenämter bekleide, kann ich mich über zu wenig Beschäftigung nicht beklagen. Wenn man dann eine Stunde geschenkt bekommt, sollte man die auch gut nutzen.“ Bei der Umsetzung bleibt Cloppenburg allerdings ganz pragmatisch: „Ich schlafe einfach etwas länger.“
Auch andere Senioren beschäftigen sich mit dem Thema Zeit, weiß Diakon Heinz Wübben, Seelsorger im St. Elisabeth Haus, zu berichten: „Je älter man wird, desto öfter denkt man über das eigene Leben nach und die Zeit, die einem noch bleibt. Die meisten hier im Haus sehen ihre Vergangenheit positiv und wollen ihren letzten Lebensabschnitt genießen.“ Die Zeitumstellung selber werde aber von den meisten älteren Menschen kritisch beurteilt: „Viele haben Probleme, sich umzustellen, dass wird mit dem Alter immer schwieriger“, erklärt Wübben. „Unsere Bewohner gehen abends dann eher ins Bett und schlafen morgens länger, weil sie sich nicht an die Umstellung gewöhnen können.“
Der Diakon selber setzt sich dieser Tage aber auch mit dem Thema Zeit auseinander: „Wenn man viel Zeit in andere Menschen investiert, bleibt kaum etwas für einen selbst, für die Familie übrig. Daher sollte man sich schon gelegentlich fragen, wie es mit der Zeit für das Privatleben aussieht.“
Ulla Lindemann, stellvertretende Leiterin des katholischen Bildungswerks in Friesoythe, scheint sich diesen Rat zu Herzen genommen zu haben. Sie freut sich über mehr Zeit für die Liebe: „Mein Lebensgefährte wohnt in Köln, wir sehen uns leider nur an den Wochenenden. Da ist eine Stunde viel Zeit. Daher nutze ich die gewonnene Stunde für die Zweisamkeit mit meinem Freund.“
Somit dürfte nicht nur Momo an diesem Wochenende zufrieden einschlafen.
