Oldenburg - Er kam und plauderte: Im Oldenburger Casablanca-Kino fand am Donnerstag eine Extravorstellung des Spielfilms „Agnes“ in Anwesenheit von Hauptdarsteller Stephan Kampwirth (49) statt. Der Film des Regisseurs Johannes Schmidt bringt den gleichnamigen Roman und Bestseller von Peter Stamm auf die Leinwand.

Schmid entschloss sich schon 2007, den Roman des Schweizers zu verfilmen. Erst neun Jahre später konnte der Film Premiere feiern. Die Geschichte von Agnes beginnt als gewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer jungen Doktorandin und einem Sachbuchautor. Das verändert sich, als Agnes (Odine Johne) ihrem neuen Freund Walter Richter (Stephan Kampwirth) vorschlägt: „Du könntest ja eine Geschichte über mich schreiben.“

Walter beginnt tatsächlich, ihre Liebesgeschichte rückblickend zu erzählen, bis er eines Tages in der Gegenwart ihrer Beziehung ankommt. Dieser Wendepunkt im Roman Stamms ist auch in der filmischen Adaption der Anfang vom Ende. Walter beginnt, die Liebesgeschichte nach seinen eigenen Vorstellungen weiterzuspinnen. Und seine literarischen Fantasien nehmen entscheidenden Einfluss auf die Wirklichkeit des Paares. Dass der Schriftsteller dabei das Prinzip verfolgt, „Glück macht einfach keine guten Geschichten“ (Walter), lässt ahnen, welche Richtung seine Geschichte am Ende einschlagen wird.

Das Oldenburger Publikum konnte schnell feststellen, dass die Geschichte Stamms nicht nur in literarischer Form, sondern auch in der filmischen Bearbeitung eine gute Geschichte ist. Der Film schafft es, das Spiel mit Realität und Wirklichkeit fast noch raffinierter zu betreiben, als es im Roman angelegt ist. So wundert es wenig, dass Kampwirth im Gespräch nach der Vorführung erzählen konnte, Stamm selbst habe attestiert, die Essenz seines Romans werde durch den Film noch konzentrierter transportiert.

Kampwirth, der in zahlreichen Fernsehproduktionen mitwirkte und zum Ensemble der Hamburger Kammerspiele gehört, berichtete zudem von den Dreharbeiten. Ausführlich gab er Einblick in die Erarbeitung seiner Rolle. Herausfordernd sei es gewesen, mit der Figur des einsamen Schriftstellers jemanden zu spielen, „der fast nichts tut“.

Eine weitere Eigenheit des Films sei die Sprache gewesen. So wurden auch längere Dialogpassagen dicht an der Romanvorlage gestaltet. Allerdings entwickelt der Film daraus einen Tonfall, der auch für das Filmpublikum anfangs fremd wirkt.

Michael Vauth
Michael Vauth Online-Redaktion