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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PLÄNE: Eine Perle will sich aufpolieren

01.07.2008

OLDENBURG Im alten Dangaster Kurhaus für den leckeren Rhabarberkuchen Schlange zu stehen, ist Kult, wenn auch noch nicht Kultur. Wer die Zeit aber nutzt und sich umschaut, dem fällt Kunst ins Auge: das von Hein Bohlen entworfene Jugendstil-Logo „Künstlerort Dangast“.

Das Emblem suggeriert Selbstbewusstsein. Und es lässt vermuten, dass der Ort, an dem die „Brücke“-Maler Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Sommer verbrachten und den Expressionismus entwickelten, wo Franz Radziwill (1895–1983) seine magisch-realistischen Bilder malte und die „Freie Akademie Oldenburg“ in den 70er Jahren mit Künstlern wie Anatol, Eckart Grenzer oder Butjatha das Watt eroberte, seine künstlerische Vergangenheit gegenwartstauglich für den Kulturtourismus vermarktet. Doch das Logo verspricht mehr, als derzeit eingelöst wird.

Zweifellos hat Dangast das „Potenzial zu einem Künstlerort“, sagt Bernd Bureck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Varel GmbH, die gemeinsam mit der Oldenburgischen Landschaft ein Projekt gestartet hat, um die künstlerische Vergangenheit wiederzubeleben. Oder wie es Bureck ausdrückt: „Die Perlen so zu polieren, dass sie als Schmuck erkennbar werden.“ Der blumigen Wortwahl zum Trotz weiß er, dass die Vermarktung eines Künstlerortes ein „knallhartes Geschäft“ ist: „Wir brauchen Geld.“

Und ein Konzept. Bisher gibt es vor allem Ideen – wie die vom Künstlerhaus mit Stipendiaten. Ideen, die etwa in Worpswede längst umgesetzt worden sind. Auf die Busse voller Touristen, die dort regelmäßig ausgeladen werden, schaut man in Dangast leicht naserümpfend. Was dort an zeitgenössischer Kunst nachwachse, sei nur ein „kitschiger Abklatsch“ Worpswedes.

„Lebendige Kunst“ nach Dangast zu holen, ist dagegen das Ziel der Oldenburgischen Landschaft, die zunächst einen jährlichen Festvortrag mit geladenen Gästen veranstalten will – in der Hoffnung, damit auch Sponsoren zu interessieren. Mit seiner Vergangenheit habe Dangast ein „Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Küstenorten“, sagt Jörg Michael Henneberg, stellvertretender Geschäftsführer der „Landschaft“. Gleichwohl: Bisher gibt es neben dem Logo nur die Erbsensuppe, die traditionell zum Vortrag gereicht werden soll.

Das hält der Dangaster und ehemalige Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) nun doch für zu wenig. So etwas müsse auf eine breitere Basis gestellt werden. Auch den Begriff im Logo hält er für „etwas fragwürdig“. Dangast komme als „Ort der Kunstgeschichte“ besondere Bedeutung zu. Hier habe die „Geburt des Expressionismus“ stattgefunden.

Dass man sich in Dangast, „wenn auch recht spät“, auf die Kultur besinnt, findet Konstanze Radziwill „erst einmal prima“. Die Filmemacherin, Autorin und Tochter des Malers Franz Radziwill, die auf 25 Jahre Museumsarbeit mit dem Radziwill-Haus zurückblicken kann, gibt sich verhalten optimistisch, weil offenbar ein Umdenken stattgefunden habe. Erste konkrete Schritte hat sie selbst unternommen – mit der Gründung der „Akademie Dangast“, in der Zeichen- und Malkurse angeboten werden.

Sie plädiert ebenfalls für die Einrichtung eines Künstlerhauses, in dem Stipendiaten die Kurse leiten könnten. In Dangast gibt es einen Schatz zu heben. „Aber dazu braucht es Geld“, betont auch Konstanze Radziwill, die die Politik nicht aus der Pflicht nehmen will.

Sonst besteht die Zukunft womöglich nicht aus künstlerischen, sondern aus kulinarischen Höhepunkten wie Erbsensuppe oder Rhabarberkuchen.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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