Oldenburg - Danton ist ein zerrissener Mensch. Ein Held der Revolution, wenn auch ein müder Held, der sich nach erfolgreichem Kampf den Freuden des Lebens widmen will.
Robespierre, St. Just und andere Mitglieder des regierenden Wohlfahrtsausschusses beäugen Dantons Müßiggang argwöhnisch, Danton und seine Freunde sollen nach der Niederwerfung der linksradikalen Hebertisten die nächsten Opfer der revolutionären Disziplin sein: „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder“, lässt Georg Büchner (1813– 1837) seinen Danton mit den Worten des Girondisten Pierre Vergniaux sagen.
Und doch ist Danton ein überzeugter Anhänger der Revolution.
Oldenburgs Hausregisseur K. D. Schmidt bringt die Zerrissenheit seines Protagonisten in zwei Stunden und 40 Minuten ganz ausdrücklich auf die Bühne des Großen Hauses: Es gibt in Oldenburg gleich drei Dantons zu sehen, gespielt von Hartmut Schories, von Anna Steffens und Henner Momann. Das ist zwar nicht unbedingt ein zwingender Einfall, aber durchaus plausibel, wobei Anna Steffens bei der Premiere am Donnerstag aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst sprechen konnte.
Schmidt sprach kurzerhand aus dem Off – er selbst war also nicht sichtbar auf der Bühne – ihren Text. Ab dem 7. April soll Anna Steffens dann wieder für das Selbersprechen fit sein. Und auch ohne Stimme ist ihr Danton sehenswert, der sein resignierendes Pendant (Schories) überwindet und später vom kämpferischen Henner Momann abgelöst wird.
Schmidt lässt weitgehend den Originaltext von Georg Büchner spielen und konfrontiert uns auf diese Weise mit einem Stoff, der weit mehr ist als nur Geschichtsunterricht. Der Revolutionär Büchner, der einst im Exil starb, verarbeitete in der Figur des Danton schließlich seine eigenen politischen Überlegungen und Widersprüche.
Im raffiniert schlichten Bühnenbild von Maren Greinke, das im wesentlichen aus einem hängenden Geviert besteht, das sich mal in diese, mal in jene Richtung neigt – ein schönes Bild für die Wechselfälle der politischen Ereignisse –, darf das Oldenburger Ensemble zeigen, was es kann.
Vor allem die drei Dantons machen ihre Sache gut, aber auch Bernhard Hackmann als eifernder Robespierre und Eva Maria Pichler als Dantons Frau Julie verleihen ihren Figuren Leben.
Am Ende wird Danton hingerichtet. Die Zahlenkolonnen, die zwischen den Episoden auf die Bühne des Großen Hauses projiziert werden, ein Bild, das man aus dem Spielfilm „Matrix“ kennt, suggerieren: Das musste ja so kommen. Dieser Fatalismus steht natürlich im Widerspruch zu Dantons Selbstbild eines Revolutionärs, an dem er trotz allem festhält.
Büchner wirft hier eine zentrale Frage auf, die durch den Matrix-Verweis in Oldenburg vielleicht etwas voreilig entschieden wird: Fressen Revolutionen tatsächlich zwangsläufig ihre Kinder?
Zum Schluss gab es sehr viel Beifall.
