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NWZonline.de Nachrichten Kultur

MUSIK: Eine Riesentorte als Blickfang

18.09.2007

OLDENBURG „Der berühmt gewordene Mythos von Orpheus und Eurydike ist ein tragischer Mythos. Es ist nicht anzunehmen, dass der tragische Charakter zur Erzählung erst nachträglich hinzugekommen war. Als sie später, zur Oper geworden, den tragischen Zug verlor, verlor sie auch ihren Charakter als Mythos, wurde unernst und märchenhaft.“ Karl Kerényis Wort fällt einem ein beim Gedanken, dass Oldenburgs Staatstheater nun schon die zweite Musiktheater-Version präsentiert. Schon in Glucks Oper (die in Oldenburg eine Erfolgsoper ist) sind die Gottheiten des Totenreichs auf die Furien reduziert.

Nun also Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“, die Operette des blitzenden Parodisten und Spötters, der Parodien vergangener Orpheus-Opern aufblühen lässt, der den Kaiser Napoleon III. kritisch aufs Korn nimmt und der, zusammen mit den Librettisten, allerhand Paradoxes, vor allem absurde Dynamik in Gang setzt.

Das Regieteam Gabi Rothmüller und Alexander Liegl, das Offenbachs Operette zum Spielzeitbeginn im Großen Haus neu herausgebracht hat, setzt auf kabarettistischen Zuschliff und pointierte Personenregie, auf Parodie total und Opulenz. Figuren wirken bald herzhaft alltäglich, bald bizarr und grotesk. Die Kostümbildnerin Dina Ehm lässt es an Einfällen, die die Nähe zur Karnevalsposse betonen, nicht fehlen. Der Bühnenbildner Peter Engel illustriert das süße schläfrige Leben im Götter-Olymp mit einer gewaltigen Torte (bei der Unterwelt sieht man die eingedunkelte Tortenhälfte von hinten). Ein großes Geschick, Schauplätze für dekorative Tableaus und ausgelassene Turbulenzen zu schaffen, wird man Engel nicht absprechen können.

Alexander Liegls Textfassung transportiert manches – doch sicher nicht alles – vom feinen Witz des Originals. Sie enthält sich politischer Anspielungen, bringt dafür einiges „Autochthone“ wie Grünkohl und Pinkel oder auch „Bremen“ ins Spiel und veranlasst Eurydike, die selbst als Eingesperrte immer noch keck-resolut ist, mit dem Publikum Verdis Gefangenenchor zu singen. Nun ja.

Neben Momenten wirklicher Komik, des parodistischen Schliffs, des intelligenten technischen Gags steht also blank Triviales, ein Hang zur Klamotte – und das ist schade bei einer Aufführung, deren Optik und Unterhaltsamkeit auch bestechen.

Ein stimmlich famoser Orpheus: Daniel Ohlmann (Tenor); eine alerte Eurydike, weniger leidend als burschikos: Sarah Papadoupolou mit koloraturenschlankem, instrumental reinem Sopran. Thorsten Scharnke gibt dem herausgeputzt-tapsigen Jupiter baritonalen Glanz; Thomas Burger, als Merkur amüsant und stets quirlig-geschäftig, beeindruckt gesanglich wie darstellerisch. Von großer gewinnender Komik: Stefan Vitu als „Diener“ Hans Styx. Als „Öffentliche Meinung“ grotesk kostümiert, energisch und stimmlich markant: Marcia Parks. Der Doppelpartie Aristeus/Pluto gibt Paul Brady reiches Profil. Für den Höllentanz erfand Doris Greza ein konventionelles Bewegungs-Tableau. Glänzend aufgelegt und inspiriert: das Staatsorchester unter Jason Weaver.

Karten: 0441/22 25 111

Lesen Sie alle NWZ-Theaterkritiken: www.NWZonline.de/vorhang

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