Hamburg - Zu einem wahrhaften Meisterkonzert trat das philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Kent Nagano am Montag in der Laeiszhalle an. Das Programm des Konzerts wurde von ihm sorgfältig ausgewählt; das Schicksal aller fünf Komponisten ist mit Hamburg verbunden.

Als der erste Takt des „Concert Românescs“ vom Orchester gespielt wurde, tauchte das Publikum unmittelbar in die Musik von György Ligeti ein, ohne die Zeit gewährt zu bekommen, sich dafür aufzuwärmen. Der ungarische Komponist war zwar durch sein Stück „Atmosphères“(1961) für die „Neuen Musik“ bekannt, wurde aber in seiner Frühphase auch von der Volksmusik, zum Beispiel aus der rumänischen Kultur, geprägt. Der 63-jährige Chefdirigent brachte den musikalischen Charakter des viersätzigen Werkes durch immer wieder wechselnde Lautstärke und empfindliche Klangfarben deutlich zum Ausdruck.

Anschließend kam ein modernes Stück von Peter Ruzicka, der seine Studienzeit in Hamburg verbracht hat. Die Musik „…ins offene…“ für 22 Streicher wurde im Jahr 2005 bei dem Festival Strings Lucerne uraufgeführt. Die hektisch abwärts laufende chromatische Tonleiter, die durchwirkten Stimmen sowie die verschiedenartigen Fragmente erhielten von den Musikern den Ausdruck dramatischen Zusammenspiels und hinterließen bei den Zuhörern tiefen Eindruck. Im Vergleich zum ersten frohen Stück vermittelte das zweite Werk von Anfang an ein Gefühl der Spannung. Es fiel auf, wie die ständig entstehenden kurzen Pausen des Stückes von Kent Nagano höchst präzise geleitet wurden. Der Komponist war von der Darstellung begeistert - zu dem Konzert war er persönlich erschienen.

Das Cembalo spielte in diesem Konzert eine wichtige Rolle. Es brachte uns zurück in eine ruhigere Welt. Sowohl im Solowerk von Georg Philipp Telemann als auch beim Cembalokonzert von Carl Philipp Emanuel Bach hat der deutsche Cembalist Andreas Staier seine Technik großartig eingesetzt. Sie wurde von seinen Fingern kraftvoll kontrolliert.

Mahlers vierte Symphonie entzündete den Höhepunkt des Konzerts. Der vierte Satz mit dem Titel „Das himmlische Leben“ wurde von der deutschen Sopranistin Dorothea Röschmann mit höchster Perfektion präsentiert. Durch die fein abgestimmte Begleitung des Orchesters bekam ihre Stimme eine empfindliche Note. Mit ihr endete das Konzert. Das Publikum war zutiefst dankbar für einen so wunderschönen Abend. Der Beifall wollte nicht aufhören. Insgesamt fünf Verbeugungen vor diesem Publikum zeigten: Dies war das beste Geschenk für die Musiker.