Rastede - Schon am Sonntagvormittag war der Kögel-Willms-Platz in Rastede gut besucht. Trotz Nieselwetters kamen viele Liebhaber chromblitzender Old- und Youngtimer. „Die Old- und Youngtimer-Schau ist fester Bestandteil des Veranstaltungsplans in unserem Residenzort“, sagte Bürgermeister Dieter von Essen in seiner Begrüßung und steuerte auf den Wartburg 313 Sport von 1958 zu. „Ich wusste nicht, dass damals so elegante und formschöne Autos in der DDR produziert wurden“ sagt er begeistert.
Besitzer Frank Wohlfahrt erläutert dem Bürgermeister gern, dass dieser Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreicht und zwei Vergaser und 50 PS unter der Haube hat. „Insgesamt wurden damals 469 Stück von diesem Modell produziert und die Hälfte davon in den Westen, auch in die USA, geliefert“, weiß Wohlfahrt. „1958 wurde es auf einer Autoschau in New York (USA) zum schönsten europäischen Auto gekürt“, so der Kfz-Mechaniker.
Das Sommerfest des Old- und Youngtimer-Clubs stand ganz unter dem Zeichen ostdeutscher Autokultur. Aber auch einen Tatra 603 aus Tschechien konnte man unter einem Pavillon bewundern. „Der wurde meistens nur von den Regierungsgrößen und Betriebsleitern größerer Firmen gefahren“, erzählt Michael Wesemann, Vorsitzender der OHRE-Classics, eine Vereinigung, die interessante Oldtimer-Ausfahrten organisiert. Zwölf Oldtimer und drei Motorräder aus Ostdeutschland konnten besichtigt werden und bildeten das Zentrum der insgesamt rund 350 Fahrzeuge auf dem Kögel-Willms-Platz.
„Bei schönem Wetter hätten wir 600 Fahrzeuge hier stehen“, meinte Henning Spille, Vorsitzender des Old- und Youngtimer Clubs Rastede. „Viele der wertvollen Raritäten, besonders Cabriolets, sollten nassem Wetter nicht ausgesetzt sein“, zeigte er Verständnis für seine „Hobbyfreunde“.
Maximilian Theurer nennt sich „Betreuer der Roten Sau“. Ein Nachbau des Mercedes Benz 300 SEL 6,8 von 1969, der sogenannten „Roten Sau“. Rolf Dachs (73) hörte Theurer interessiert zu, als dieser erzählt, dass die „Rote Sau“ 1971 für eine Sensation beim 24-Stunden Rennen in Spa sorgte, als sie auf Rang zwei durchs Ziel ging. Und Enkelsohn Julius (8) berichtet in diesem Zusammenhang, dass er häufig bei Opa mitfährt, wenn der seine Runden auf seinem Gespann von 1935 fährt.
Heidi Nowak ist „Mitglied im Club“ und findet „wir sind eine Familie und es ist toll, sich die alten Autos anzuschauen“, wie sie sagt. Werner Meinen aus Remels führt seinen „Grünen Elefanten“ vor. Ein Gespann aus dem Jahre 1953, Modell Zündapp KS – 601. „Der hat fast 100 000 Kilometer drauf und der Motor ist noch das Original“, sagt der 81-jährige voller Stolz.
Thomas Kroll war mit seinem Citroen 11 CV BL von 1952 gekommen, um einen Käufer zu finden. „Mit meinen sieben Oldtimern in der Garage wird es langsam eng“, sagt der Bremer.
Historische Fahrzeuge, aber auch vieles andere mehr konnte man in Rastede beim verkaufsoffenen Sonntag erwerben.
