Oldenburg - Was Annika und Tommy ihre Pippi, ist dem Matthias sein Peter: Mit einem „Freundschaftsdienst“ erklärt Matthias Blum, Initiator und Chef der Astrid-Lindgren-Wanderausstellung, den doch recht spontanen Besuch seines Spezis in Oldenburg. Für die Grundschule Dietrichsfeld, hier war Blum in früheren Jahren selbst mal Schüler, liest Schauspieler Lohmeyer nun also aus Pippis Abenteuern. Und mehr als 200 Menschen hören zu. Ob nun Fans von Lindgren oder von Lohmeyer – das will sich am Nachmittag nicht so leicht klären lassen. Klar ist jedoch: begeistert sind sie alle.
Schwedisch, Französisch und Dänisch. Russisch, Arabisch und Platt. Für die so gemischte Grundschule gibt es an diesem Tag das volle Pippilotta-Viktualia-Rullgardina-Krusmynta-Efraimsdotter-Långstrump-Programm (so der Originalname).
Oldenburger Lügner
Für die hochdeutschen Geschichten aus der Villa Kunterbunt zeichnet sich Peter Lohmeyer stimmlich verantwortlich. Und weil’s zwischendurch etwas unruhiger wird – kaum verwunderlich: Kinder und Erwachsene hören bei so viel Internationalität gleichermaßen angetan wie angestrengt zu – baut Lohmeyer das ein oder andere Schmankerl ein. „In Oldenburg kriechen sie manchmal auf dem Bauch, wenn sie betrunken sind!“, liest er vermeintlich aus dem Lindgren-Klassiker vor, „in Oldenburg lügen sie den ganzen Tag!“. Und schon hat er sie alle, alle wieder an seinen Lippen.
Es ist ein orange-grünes Spaßbad, in dem sich die kleinen und großen Gäste austoben. Hier tolles Theater der Klasse 3a („Pippi findet einen Spunk“), dort Plakate und Figuren der bunten Kindheitsheldin. Und hinten auch noch ein Verkaufsstand mit zig Pippi-Büchern.
Kooperation mit Kirche
Die verkaufen sie hier zuhauf, die Einnahmen kommen dem Förderverein der Schule zu Gute. Ganz so wie der Reinerlös aus Saft- und Kuchenverkauf, den die Kinder – orientiert an der geschäftstüchtigen Pippi – hier selbst organisieren. Gar prächtig läuft’s! Neben Lindgrens Grundsätzen von Toleranz, Frieden und Verständnis gibt es da wohl auch noch reichlich Geld obendrauf, aber auch einen großen Schwung Leseverständnis. „Besser kann so etwas nicht funktionieren“, sagt Schulleiter Johann Fischer.
Möglich ist dies vor allem, weil die Schule kurzerhand umdisponiert hat. In der Aula wäre nur Platz für 80 Gäste gewesen, angesichts des möglichen Ansturms durfte sie aber in die Kirche nebenan ausweichen. In ein Haus, ein kunterbuntes Haus ...
